Sport : Spätes Glück

Zum Saisonfinale finden DeJuan Collins und Alba zusammen

Benedikt Voigt

Berlin. Der Hallensprecher irrte sich. „Und die Punkte von Quadre Lollis“, brüllte er am Ende des ersten Viertels in sein Mikrophon. Weil es eben der Arbeitsweise des zwei Meter großen Basketballers von Alba Berlin entspricht, sich einen zurückprallenden Ball unter dem Korb inmitten dreier grobschlächtiger Verteidiger aus Braunschweig zu fangen und sofort in den Korb zu werfen. Doch als die Sirene ertönte, die das Ende des Viertels anzeigt, beglückwünschten Albas Ersatzspieler nicht Lollis zu diesem Kunststück, sondern einen Mann, der 13 Zentimeter weniger misst: DeJuan Collins.

Der Sprecher muss sich womöglich erst daran gewöhnen, dass DeJuan Collins plötzlich auch für Rebounds zuständig ist. Neun Stück fing er im ersten Halbfinalspiel gegen Braunschweig (93:69), womit er neben Lollis bester Rebounder war. Auch seine Aufgaben als Aufbauspieler vernachlässigte er nicht, warf 15 Punkte, reichte vier Assists, und klaute dem Gegner dreimal den Ball. Albas neue Spielstärke gründet sich auch auf Collins’ neuer Stärke. Was ist passiert mit dem Spielmacher, der unlängst noch dadurch auffiel, dass er aus allen Lagen auf den Korb warf?

„Er spielt jetzt auf einem hohen Niveau“, sagt Albas Trainer Emir Mutapcic, „er nimmt nicht mehr die wilden Würfe.“ Was die Zuschauer in den letzten beiden Spielen von DeJuan Collins zu sehen bekamen, ist das Ergebnis einer längeren Umerziehung durch Alba Berlin. „Das ist ein Prozess“, sagt Mutapcic, „durch Training und durch Gespräche.“ Bei seinem alten Klub, dem damaligen Bundesligaabsteiger Tübingen, war Collins als Alleinunterhalter gefragt. Mutapcic sagt: „Dort hat er das Recht gehabt, in der Offensive jeden Ball zu werfen.“ Bei Alba hat er das nicht, dort ist er Teil eines Ensembles. Nun, da die Play-offs in ihre entscheidende Phase gehen, hat er seine neue Rolle gelernt. Dass es so lange dauerte, lag auch an einem Fersenbruch im November, der ihn und Alba Berlin zurückgeworfen hatte. Erst im Februar konnte er wieder spielen. „Er und wir haben da kein Glück gehabt“, sagt Emir Mutapcic.

Nun aber wächst die Zufriedenheit auf beiden Seiten. Allerdings muss DeJuan Collins noch konstanter spielen. Zum Beispiel im zweiten Halbfinale am Mittwoch in Braunschweig (19.30 Uhr). „Fragen Sie mich am Ende der Saison, ob wir auch unzufrieden mit DeJuan Collins waren“, sagt Mutapcic. Dann wird Alba diese Frage ohnehin beantworten müssen. Wenn der Klub die Option auf eine Vertragsverlängerung mit DeJuan Collins wahrnimmt. Oder auch nicht.

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