Sport : Spätes verdientes Glück

Leverkusen nimmt Kurs auf die Champions League.

von
Spring besser. Leverkusen und Philipp Wollscheid (oben) setzen sich ab. Foto: dpa
Spring besser. Leverkusen und Philipp Wollscheid (oben) setzen sich ab. Foto: dpaFoto: dpa

Leverkusen - Unter all den weißgekleideten Verlierern war Christian Gentner am hartnäckigsten. Längst war das 1:2 (1:0) des VfB Stuttgart in Leverkusen amtlich, da diskutierte Stuttgarts Mittelfeldspieler noch immer mit Schiedsrichter Wolfgang Stark. Vor allem über die Szene in der 81. Spielminute, durch die sich sein Team doch noch aus der Bahn werfen ließ. Ein Schuss von Bayer-Akteur Jens Hegeler war aus kürzester Entfernung an beide ausgestreckte Arme von VfB-Spieler Cristian Molinaro gesprungen. Es wirkte wie eine Reaktion eines Handballtorwarts, nur Gentner und die Stuttgarter sahen das offenbar anders.

Referee Stark aber pfiff Strafstoß und Stefan Kießling nutzte ihn in unverschämt lässiger Manier zum Ausgleich. Und vier Minuten später trat der 29-jährige Angreifer erneut entscheidend in Aktion: Kießlings Schuss konnte VfB-Keeper Sven Ulreich noch abwehren – allerdings nur auf den Kopf von Lars Bender, Leverkusens Bester sorgte mit großer Übersicht für den Siegtreffer. „Was uns in diesem Jahr auszeichnet, ist diese Willenskraft zu gewinnen“, sagte Bender. „Das war haushoch verdient“, fand Kießling. Stuttgart sei schließlich „mit Mann und Maus am eigenen Strafraum gestanden“. 65:35 Prozent Ballbesitz und 31:5 Torschüsse belegten es.

„Dass wir den Abstand auf Eintracht Frankfurt vergrößern konnten, ist das Wichtigste an dem Spiel“, meinte Sportdirektor Rudi Völler mit Blick auf die direkte Qualifikation für die Champions League. Die sieben Punkte Vorsprung auf den Tabellenvierten Frankfurt seien „im Moment ein beruhigendes Polster“, sagte Bender. Obwohl der Abstand zu Borussia Dortmund nur einen Punkt beträgt, ist Bender die mögliche sechste deutsche Vizemeisterschaft egal: „Wenn wir uns direkt für die Champions League qualifizieren, sind wir in Leverkusen zufrieden.“

Diesmal jedoch ließ sich die Angelegenheit für seine Mannschaft zunächst schlecht an: Bereits in der ersten Minute verletzte sich Ömer Toprak in einem Zweikampf mit Vedad Ibvisevic am Knie, Daniel Schwaab ersetzte Toprak in der Innenverteidigung. Involviert war VfB-Angreifer Ibisevic auch beim nächsten Rückschlag für Leverkusen: Einen schönen Pass aus dem Mittelfeld nahm der Bosnier so geschickt mit der Brust mit, dass er seinem Bewacher Philipp Wollscheid entwischte und von Bayers Abwehrmann Zentimeter vor der Strafraumgrenze attackiert wurde und im Strafraum zu Boden fiel. Stark entschied zum ersten Mal an diesem Abend auf Elfmeter, den Ibisevic mit einem präzisen Schuss ins linke Toreck zum 1:0 nutzte.

Leverkusen rannte dem Rückstand gehemmt und ausgesprochen einfallslos hinterher. Nach der Pause hatte Leverkusen bei zwei Stuttgarter Kontern, die Gotoku Sakai und Christian Gentner kläglich vergaben, zudem Glück, biss sich aber auch immer mehr im Strafraum der Gäste fest. VfB-Trainer Bruno Labbadia hatte eine Defensivtaktik gewählt. „Weil wir auf drei Hochzeiten tanzen, wollten wir es ökonomisch hinbekommen.“

Leverkusen investierte hingegen alles, allen voran Bender, der schließlich auch die Partie mit seinem Kopfballtreffer entschied. „Uns haben die finalen Aktionen gefehlt, aber wir sind zumindest für unseren Einsatz belohnt worden“, erklärte der Nationalspieler. Und Bayer-Teamchef Sami Hyypiä stöhnte: „Die Tore kamen ein bisschen spät – ich bin heute um fünf Jahre gealtert.“ Andreas Morbach

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben