Sport : Spätwerk eines Künstlers

Jan-Ove Waldner spielt mit 40 Jahren noch bei der Tischtennis-WM auf

Friedhard Teuffel[Bremen]

Mit der Disziplin der chinesischen Tischtennisspieler ist es auf einmal vorbei. Sie konzentrieren sich nicht mehr auf ihr eigenes Spiel gegen die Niederlande, sondern drehen ihre Köpfe zum Nachbartisch und fangen an zu tuscheln. Dort schlägt gerade das Genie auf: Jan-Ove Waldner aus Schweden, der wohl beste Spieler, den das Tischtennis bisher hervorgebracht hat. Die Chinesen wollen seinen Auftritt genießen, so lange sie noch können. Waldner gibt zurzeit seine Abschiedsvorstellung von der internationalen Bühne. 40 Jahre ist er alt, und die Mannschafts-Weltmeisterschaft in Bremen ist sein letztes großes Turnier. Als ihn Schwedens Nationaltrainer Peter Sterneborg im Januar fragte, ob er mitmachen wolle, hat er noch ein Mal zugesagt. „Mit mir sind wir neben China und Südkorea eine der besten Mannschaften der Welt, ohne mich eine der schlechtesten“, sagt Waldner.

An eine Zugabe von Waldner hat wohl auch der Internationale Tischtennis-Verband (ITTF) nicht mehr geglaubt. Denn am Eingang des Tischtennis-Museums, das die ITTF in der Bremer Stadthalle aufgebaut hat, hängt ein Banner mit zwei Bildern. Eines zeigt die Anfänge des Sports in einem europäischen Salon des 19. Jahrhunderts. Das andere zeigt Waldner. Das Museum spielt also noch einmal mit, und ohnehin steht Waldner nicht für die Vergangenheit im Tischtennis, sondern eher für das Zeitlose.

Wie sich Tischtennis auch entwickelte, Waldner konnte den Ball immer dahin spielen, wo er wollte und es der Gegner nicht vermutete. So ist er 1989 und 1997 Weltmeister im Einzel geworden und 1992 als erster Schwede Olympiasieger im Sommer. So hat er auch Generationen von Spielern aus dem Tischtennis-Wunderland China besiegt. Die Weltrangliste führt Waldner zwar nur noch als Nummer 32, und seit einiger Zeit trägt Waldner auch ein Bäuchlein unter seinem Trikot mit sich herum. Doch er sagt: „Ich wäre nicht hier, wenn ich nicht das Gefühl hätte, jeden schlagen zu können.“ In Bremen hat er bisher seine beiden Einzel gewonnen, am Dienstag etwa gegen Michael Maze aus Dänemark, einen der besten Spieler Europas.

Bei einem internationalen Turnier ist Waldner seit einem Jahr nicht mehr angetreten. „Eine Einzel-Weltmeisterschaft hätte ich nicht mehr gespielt, für Spiele über sieben Sätze reicht es nicht mehr“, sagt er. Dafür noch für Spiele über fünf Sätze. In der Bundesliga für Fulda-Maberzell hat er es ohne viel Training mit 18:15-Spielen auf die siebtbeste Bilanz aller Spitzenspieler gebracht und seinen Vertrag dort auch noch einmal um eine Saison verlängert. „Ich habe noch viel Spaß in der Bundesliga“, sagt er.

Waldners Popularität im Tischtennis ist unerreicht – wegen seines unberechenbaren Spiels, aber auch seiner bescheidenen Art. Ganz besonders hoch aber ist sie in China. In Peking besitzt Waldner ein Restaurant mit dem einfachen Namen „W“, dort gibt es auch schwedische Speisen. Er sieht dort öfters nach dem Rechten. Fünf bis sechs Mal im Jahr reist er nach China. In diesem Jahr ist er noch nicht so viel herumgekommen, weil er sich auf die WM vorbereitet hat. „Im Sommer geht es wieder los“, sagt er jedoch. Waldner ist außerdem Repräsentant für mehrere schwedische Firmen in China, für eine Versicherung etwa. „Für Orangensaft werbe ich auch“, sagt er und lacht wie ein Junge, der gerade einen unanständigen Witz erzählt hat. Doch bevor er sein geschäftliches Engagement in China verstärkt, präsentiert der Tischtennis-Künstler Waldner sein Spätwerk in Bremen. Ein bisschen für sich, viel für seine schwedische Mannschaft und auch noch mit großem Gewinn für das ganze Tischtennis.

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