• Spanien demonstriert seine Stärke Die U 21 holt durch ein 4:2 gegen Italien den EM-Titel

Sport : Spanien demonstriert seine Stärke Die U 21 holt durch ein 4:2 gegen Italien den EM-Titel

Stefan Osterhaus
Der Ball ist ein Spanier. Koke (rechts) behauptet sich gegen Florenzi. Foto: dpa
Der Ball ist ein Spanier. Koke (rechts) behauptet sich gegen Florenzi. Foto: dpaFoto: dpa

Jerusalem - Ob dieses Spiel für ihn ein wenig auch eine Genugtuung war? Thiago Alcantara wollte sich dazu gar nicht äußern. Erst genoss er den Jubel, lange und ausgiebig. 4:2 (3:1) hatte Spanien im Finale der U-21-Europameisterschaft Italien besiegt – allein drei Tore erzielte der Mittelfeldspieler vom FC Barcelona, der in seinem Heimatklub nicht immer zum Einsatz kam, was ihn sehr ärgerte. Doch in diesem Augenblick spielten all die Enttäuschungen der Saison keine Rolle. Die Treffer machten ihn zu einem der herausragenden Spieler in einer unfassbar guten Mannschaft. Dass er zum Spieler des Spiels gewählt wurde, verstand sich fast von selbst.

Spaniens Sieg gegen Italien war nicht einfach nur ein Sieg. Er war ein Indiz, dass Tiki-Taka noch längst kein Auslaufmodell ist – und es dürfte bei den Gegnern die Befürchtung nähren, dass es mit der Hegemonie der spanischen Kurzpassartisten noch längst nicht vorbei ist, dass ihnen nicht nur die Pokale der Vergangenheit, sondern auch ein paar Titel in der Zukunft gehören könnten. Im Nachwuchsbereich sind die Spanier konkurrenzlos – in Jerusalem verteidigten sie ihren Titel erfolgreich, und auch die U19 wird von ihnen dominiert. „Es ist wichtig, dass du eine Philosophie hast, und wir arbeiten sehr hart daran, auf diesem Niveau zu bleiben“, sagte Trainer Julen Lopetegui.

Erstaunlich gelassen wirkte er nach dem Schlusspfiff – als habe ihn er Sieg über die Italiener gar nicht überraschen können. Und tatsächlich: Wer hätte sie denn bei dieser EM stoppen sollen, wenn nicht die Italiener, das wohl disziplinierteste Teams des Wettbewerbs, die Mannschaft mit dem bis dahin besten Positionsspiel und der größten taktischen Variabilität? Doch dann hatte das Spiel für die Anhänger der Squadra Azzurra etwas von einem Déjà-vu. Hatten es die Nachwuchsfußballer nicht besser machen wollen als das A-Team im vergangenen Jahr, das sich auf leisen Sohlen ins EM-Finale geschlichen hatte und am Ende 0:4 gegen den Favoriten Spanien unterlag?

Tatsächlich begann das Spiel ähnlich wie das Finale in Kiew vor einem Jahr. Schon nach fünf Minuten musste Italiens Torhüter Francesco Bardi den Ball erstmals aus dem Netz holen: Einer Flanke des diesmal von Beginn an aufgebotenen Alvaro Morata folgte ein Kopfball von Thiago, der danach zum ersten Mal die Faust in die Höhe reckte. Und es sollte nur der Beginn einer Demonstration sein, die ein einziges Mal gestört wurde. Das war, als Ciro Immobile in der zehnten Minute der spanischen Abwehr entwischte und kaltblütig gegen David de Gea verwandelte. Es war das erste EM-Gegentor für die Spanier – doch sie waren nur kurz irritiert. In der 31. Minute tauchte Thiago erneut im Strafraum auf, Italiens Verteidiger ließen ihn gewähren: 2:1. Und noch vor der Halbzeit gelang ihm mit einem Foulelfmeter das 3:1. „Spiele entscheiden sich manchmal durch die Qualität einzelner Spieler, und manchmal in ein paar Situationen“, sagte Italiens Trainer Devis Mangia.

Der Glaube, noch einmal reagieren zu können, war zu diesem Zeitpunkt dahin, und er wurde zur Gewissheit, als Spanien nach einem Foul an Martin Montoya erneut einen Elfmeter zugesprochen bekam: Isco ließ sich die Chance nicht entgegen. Mit dem 4:1 war das Finale entschieden, auch wenn Fabio Borini mit einen Distanzschuss noch einmal verkürzte. Doch die Klasse der Spanier war zu groß. „Überall, wo ich hingeschaut habe, waren nur fantastische Fußballer“, sagte Italiens Trainer Mangia. Stefan Osterhaus

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