Spanien - Deutschland : Ein Erfolg wird zum Misserfolg

Die deutsche U 21 spielt besser als Favorit Spanien - doch es reicht nur für ein Unentschieden.

Gregor Derichs[Göteborg]

Aus dem Gesicht jedes deutschen Spielers war die Enttäuschung abzulesen. „Die Stimmung in der Kabine ist nicht gut“, sagte Trainer Horst Hrubesch. Das 0:0 zum Auftakt der U-21-Europameisterschaft gegen den Turnierfavoriten Spanien wurde von seinen Junioren als Niederlage aufgefasst. „Ich bin sehr enttäuscht. Ich allein musste ein, zwei Tore machen. Wir hätten den Platz als Sieger verlassen müssen“, sagte Mesut Özil. Dabei hatte der Mittelfeldspieler, von Hrubesch als Stürmer aufgeboten, die Scouts und Spione von 62 europäischen Profivereinen auf der Tribüne des Gamla-Ullevi- Stadions äußerst positiv überrascht. Der Bremer war der überragende Feldspieler und stellte Barcelonas Jungstar Bojan Krkic in den Schatten. Allerdings – und das dämpfte die Stimmung bei Özil und seinen Kollegen – war auch ihm der Siegtreffer nicht vergönnt gewesen.

Aber nicht nur der Bremer, das gesamte deutsche Team beeindruckte die Konkurrenz. Hrubesch konnte sich trotzdem erst am folgenden Tag ein bisschen freuen: „Ich genieße es, dass die Spieler bewiesen haben, dass sie doch als Mannschaft funktionieren.“ Er habe das Gefühl, dass sie sich noch steigern könnten. „Sie werden erwachsen“, sagte Hrubesch. Özil habe in Gegenwart von Bundestrainer Joachim Löw gezeigt, dass er das Niveau für die A-Nationalmannschaft besitze. Auf Marko Marin (Gladbach), der allerdings schwächer spielte, träfe dies auch zu. Kapitän Sami Khedira (Stuttgart) kam weniger zur Geltung, weil er ungewohnt viel in der Defensive arbeiten musste.

Mit dem starken Turnierbeginn, bei dem nur das ungenügende Ausnutzen der Torchancen als Schwäche zu beklagen war, löste die deutsche U 21 die Spanier als erster Titelanwärter ab. Ein Unentschieden, das vor dem Spiel durchaus als Erfolg akzeptiert worden wäre, wurde nach dem Spiel als Panne bewertet. „Wir werden es am Donnerstag besser machen und gegen Finnland gewinnen. Wenn die Engländer dann Spanien schlagen, sind wir fast schon im Halbfinale“, sagte Gonzalo Castro. Im zweiten Spiel der Gruppe hatte England gegen Finnland mit 2:1 gewonnen. Würde die Prognose des Leverkuseners Castro eintreten, käme es am Montag gegen die Briten zu einem Endspiel um den ersten Platz der Gruppe B. Allerdings qualifiziert sich auch der Gruppenzweite fürs Halbfinale.

„Wir wissen jetzt, dass wir mit den Großen mithalten können. Wir müssen uns vor keinem mehr verstecken“, sagt Dennis Aogo. Der Hamburger dämmte im Mittelfeld die Passkombinationen der Spanier ein. Noch auffälliger spielte sein Hamburger Kollege Jerome Boateng als Innenverteidiger, der Krkic überhaupt nicht zur Entfaltung kommen ließ. „Ich habe es nie verstehen können, dass Jerome in dieser Saison beim HSV auf sämtlichen Positionen ausprobiert wurde, links, rechts, zentral in der Abwehr und im Mittelfeld“, kritisierte Hrubesch. „Es ist nicht im Sinne der Ausbildung, dass ein Spieler überall hingestellt wird.“ HSV-Trainer Bruno Labbadia, der in Göteborg auf der Tribüne saß, könnte den Plan, einen neuen Innenverteidiger zu verpflichten, nach Boatengs Gala noch einmal überdenken.

Gegen Finnland plant Hrubesch keine Änderungen. Allein der Bremer Sebastian Boenisch, der sich eine Bänderdehnung im Knöchel zuzog, wird wohl durch Marcel Schmelzer ersetzt. An der Strategie, im Sturm mit Özil und Ashkan Dejagah zwei Mittelfeldspieler aufzustellen, wird Hrubesch festhalten. „Vorher hieß es, die werden nie zu Torchancen kommen“, sagte der Trainer. „Aber das hat sehr gut geklappt.“

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