• SPANIEN FEIERT ALBERTO CONTADOR ALS HELD: Von der Liste des Dopingarztes gestrichen

SPANIEN FEIERT ALBERTO CONTADOR ALS HELD : Von der Liste des Dopingarztes gestrichen

Als sich Alberto Contador am Freitag wieder das Gelbe Trikot überstreifte, spannte er seine Gesichtsmuskeln an, um die Andeutung eines Lächelns hinzubekommen. So ernst hat sich noch kein Spitzenreiter der Tour präsentiert. Seinen Landsleuten geht es ähnlich: Sie machen gute Miene zum bösen Spiel. Der 24-Jährige aus dem Madrider Vorort El Pinto gilt als Hoffnungsträger der Nation. Unabhängig von den Skandalen, die den Radsport derzeit erschüttern. Unabhängig von den hartnäckigen Gerüchten, dass bei der Tour ein neuer Dopingfall kurz vor der Aufdeckung stehe. Spanische Kommentatoren schwärmen dennoch von Contador, von den „Ventilatorbeinen des neuen Indurain“, der sich nach einer schweren Gehirnoperation vor drei Jahren nach vorne strampelte.

In Contadors Heimatort verfolgen die Menschen auf einer Riesenleinwand die Etappen. So als hätte es einen Fall Fuentes nie gegeben, so als hätte sein Name nie auf der Liste des Dopingarztes gestanden. Mit der Einstellung des Verfahrens gegen den Sportmediziner wollte niemand mehr etwas von Blutbeuteln wissen. Euphemiano Fuentes durfte erst Anfang des Monats auf Einladung einer Madrider Universität zum Thema „Wie Hochleistungssport den Organismus schädigen kann“ dozieren. Und auch Contador nimmt Spaniens Öffentlichkeit in Schutz. Indigniert schrieb die Tageszeitung „El País“, bei der Übergabe des Gelben Trikots sei er von Journalisten „in der Manier franquistischer Staatsanwälte“ befragt worden. Dabei gibt es für das Nachhaken doch gute Gründe. Denn wie Contadors Name von der Liste des Dopingarztes verschwand, ist dubios. Angeblich schützt ihn eine Art Kronzeugenregelung. Contador sagte als einer der Ersten aus, soll im Gegenzug nicht belangt worden sein. Eine von der Staatsanwältin vorgeschlagene DNS-Probe lehnte der Richter damals ab.

Der Begeisterung für den Jungen aus El Pinto tut das keinen Abbruch. Contador bringt dem staatlichen

Fernsehsender TVE wachsende Quoten. 24,6% der Zuschauer fieberten mit, als er sich mit Rasmussen am Col d’Aubisque das Kopf- an-Kopf-Rennen lieferte. „Er hätte die Etappe gewinnen können“, erklärt der Kommentator Carlos de Andrés, „wenn wir einen Weltmeister im Boccia-Spielen hätten, würden wir eben Live-Übertragungen vom Boccia sehen.“Julia Macher, Madrid

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