Sport : Spanien holt den Daviscup – ganz langsam

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Sevilla Was tun, wenn man gegen den Tennisspieler mit dem schnellsten Aufschlag der Welt antreten muss? Der spanische Verband hatte sich für das Daviscup-Finale gegen die USA etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Um den gefürchteten Schlägen von Andy Roddick ihre Wirkung zu nehmen, ließ er im Estadio Olimpico zu Sevilla den wohl langsamsten Sandplatz aller Zeiten errichten. Es hat sich gelohnt: Am Sonntag gewann Carlos Moya gegen Roddick 6:2, 7:6 (7:1), 7:6 (7:5) – und Spanien damit zum zweiten Mal nach 2000 den Daviscup.

27 000 Zuschauer hatten Moya zum Sieg gebrüllt, der das entscheidende 3:1 bedeutete. Niemals zuvor hatten so viele Menschen ein offizielles Tennismatch verfolgt. „Das war verrückt“, sagte Roddick nach dem Spiel. „So eine Atmosphäre habe ich noch nie erlebt.“ Auch sein erstes Spiel auf dem langsamen Belag hatte der US-Amerikaner verloren, gegen einen gewissen Rafael Nadal. Der 18-Jährige war der Öffentlichkeit bis zu diesem Spiel weitgehend unbekannt, wenn man einmal davon absieht, dass er als Neffe des früheren Fußball-Nationalspieler Miguel Angel Nadal einen recht berühmten Namen führt. Kapitän Jordie Arrese hatte ihn zum Erstaunen vieler als Einzelspieler nominiert. „Ich weiß gar nicht, warum alle so überrascht waren, dass wir ihn aufgestellt haben und nicht Juan Carlos Ferrero“, erklärte Arrese. „Nadal hat doch längst gezeigt, dass er ein großer Daviscupspieler ist.“ Trotz des Erfolgs gegen Roddick war aber auch die Verbandsführung noch nicht restlos überzeugt: Den Einsatz Nadals im Doppel ließ sie nicht zu, obwohl Spanien zu diesem Zeitpunkt nach Moyas Sieg gegen den Olympiazweiten Mardy Fish schon 2:0 in Führung lag.

Viel schlechter als Ferrero hätte es Nadal an der Seite von Tommy Robredo wohl auch nicht gemacht. Beim 0:6, 3:6, 2:6 gegen die Zwillinge Bob und Mike Bryan hatte Spaniens Doppel am Samstag keine Chance gehabt. „Jetzt müssen die Jungs sehen, was sie daraus machen“, sagte Bob Bryan nach dem 1:2-Anschluss. Wenige Stunden später erlebte er mit, wie sein Kollege Roddick nichts daraus machte. Zwar gewann Fish im abschließenden Match gegen Robredo 7:6, 6:2, doch das war bedeutungslos geworden.

Rekordsieger USA muss also weiter auf den 32. Triumph im Daviscup warten. Der letzte Erfolg gelang 1995, als Pete Sampras Russland mehr oder weniger ganz allein geschlagen hatte. Andy Roddick verfügt zumindest auf einem Sandplatz noch nicht über diese Qualitäten. Und so musste er am Sonntag mit ansehen, wie Carlos Moya von Spaniens Thronfolger Felipe und dessen Frau Letizia den Pokal überreicht bekam. Tsp/dpa

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