Sport : Spaniens neue Leichtigkeit

Marcel Reif

Die EM kommentiert von

Die Leichtigkeit des spanischen Fußballs war beachtlich. Sagte ich Leichtigkeit? In Zusammenhang mit der spanischen Nationalmannschaft? Schloss sich beides nicht seit Menschengedenken aus? Gewollt hat Spanien ja stets viel, erreicht so gut wie nie etwas. Da waren die regionalen Streitigkeiten vor, dass der Katalane nicht wollte mit dem Madrilenen, der Baske mit niemandem, und der Galizier dem Kastilier den Ball nur unter Vorbehalt zuspielte. Und da waren die Klubs, Real Madrid und der FC Barcelona, die den Rahm allen Interesses abschöpften und für Glanz und Gloria des spanischen Fußballs zu sorgen hatten und sorgten. Real zum Beispiel, das ist ja nicht erst seit den Tagen der Neuzeit ein Ensemble der Weltelite, das war es auch schon mit Puskas, Netzer, Breitner. Die Klubs waren der Stolz, die Nationalmannschaft die Dreingabe, oft genug eine lästige Dreingabe, weil sie nie hielt, was die Klubs versprachen.

Die Klubs haben diesmal nichts versprochen, keinen Glamour, keinen Triumph. Valencia hat den Uefa-Cup gewonnen, Gott ja, nett, aber als Ertrag der besten Liga der Welt doch etwas dünn. Es lebt sich offensichtlich, zumindest erst einmal im Spiel gegen die belanglosen Russen, ungenierter ohne große Vorgaben. Was hat man von Spaniens Elf schon erwartet? Nicht viel. Und kann vielleicht deshalb sehr viel bekommen. Zumal ihr Bester, Raul, seine Form noch nicht einmal gefunden hat. Aber wenn, dann könnte diese ungewohnte spanische Leichtigkeit ein sehr erträgliches Dasein werden.

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