Sport : Spanische Harmonie

Beim Ryder-Cup ist Jose Maria Olazabal ein Star – vielleicht zum letzten Mal

Petra Himmel[Dublin]

Er sitzt am Rande des Grüns, hat eine Spielpause und lächelt. Vor seinen Augen spielt das ganze Theater: Tausende Zuschauer, Kollegen, die mit geballten Fäusten jeden Putt bejubeln – knisternde Spannung liegt in der Luft. „Da versuchst du, das alles einzusaugen, mitzunehmen“, sagt Jose Maria Olazabal. Er ist 40 Jahre alt, er ist Teil dieses europäischen Teams beim Ryder-Cup. Mit zwei Siegen in den zwei Vierball-Bestball-Matches hat er wesentlichen Anteil an der 10:6-Führung Europas gegen die USA. Zusammen mit Sergio Garcia, der aber im dritten Match mit dem Engländer Luke Donald spielte, ist er zum Star der 36. Auflage avanciert. Denn nichts prägt diesen Teamwettbewerb so sehr wie der Vierer. Eine Art Doppel, bei dem es um die Harmonie und die Absprachen der Spieler geht. Im Vierball-Bestball spielt jeder seinen Ball, das bessere Ergebnis pro Loch wird gewertet. Beim klassischen Vierer dagegen wird nur ein Ball gespielt, jeweils abwechselnd von den zwei Vierer-Partnern. Wenn der eine einen Ball verzieht, muss der andere beim nächsten Schlag darunter leiden.

Jose Maria Olazabal kann nichts mehr schrecken. Die Dynamik von Vierer-Matches, das weite Feld zwischenmenschlicher Beziehungen über 18 Löcher hinweg, hat er über Jahrzehnte bei sechs Ryder-Cup-Teilnahmen studiert. „Beim ersten Mal, als ich am ersten Abschlag stand, habe ich neben Seve gezittert wie Espenlaub.“ 1987 war das, im amerikanischen Muirfield Village. Da wurde Severiano Ballesteros der jüngere Landsmann als Flightpartner zugeteilt. Die wohl berühmteste Vierer-Paarung aller Zeiten entstand. Der charismatische, extrovertierte Ballesteros mit seinem begnadeten, aber gleichzeitig völlig unberechenbaren Spiel neben dem jungen Olazabal, der beharrlich und ruhig mit seinem verlässlichen Spiel die Grundlage für den Erfolg legte. Elf von 13 Vierer-Matches konnte die Paarung gewinnen, zwei wurden geteilt. Verloren haben Ballesteros und Olazabal nie. Ähnlich erfolgreich kann die Paarung zusammen mit Garcia nicht werden. „Mir rennt einfach die Zeit davon“, meint Olazabal. Allein der 43-jährige Colin Montgomerie ist älter als er. „Man weiß eben, dass es vielleicht das letzte Mal ist“, resümiert der Spanier.

Den jüngeren Kollegen könnte Olazabal unzählige Geschichten erzählen: vom ersten Sieg der Europäer auf amerikanischem Boden 1987. Von den „Fabulous Five“ Nick Faldo, Ian Woosnam, Bernhard Langer, Sandy Lyle und Severiano Ballesteros, die wie er Majorsiege erspielten, den Ryder-Cup erstmals über Jahre hinweg zu einer ausgeglichenen Veranstaltung machten. Olazabal kennt ihn noch, den eher übersichtlichen Ryder- Cup, der nicht von Vip-Zelten, Charity-Veranstaltungen und Abendessen mit 1400 Personen geprägt war.

Irgendwann Mitte der Neunzigerjahre hatte er genug von der PGA European Tour mit ihrer stark britischen Prägung und wanderte aus auf die amerikanische PGA Tour. Damit ist er ein Vorreiter gewesen für die Golfer, mit denen er dieser Tage spielt. Henrik Stenson und Robert Karlsson, Luke Donald und Paul Casey sind längst häufige Gäste auf der hochdotierten amerikanischen Tour. Der Spanier selbst hat inzwischen den Schritt zurück gemacht. Weil Sergio Garcia weitgehend in den USA spielt, hat Olazabal ihn vor diesem Ryder-Cup eher flüchtig gekannt. Trotzdem hat ihre Vierer-Beziehung sofort funktioniert. „Wir sind uns nähergekommen, auch weil wir aus einem Land sind“, resümiert Olazabal. Selbst nach einer siebenjährigen Pause als Ryder-Cup-Spieler hat er selbst sich sofort wieder wohl gefühlt.

„Das System fängt bei einem Ryder Cup an sofort zu funktionieren.“ Da war es wieder, der Jubel der Zuschauer am ersten Abschlag, das Kribbeln in der Magengegend, die Hoffnung, den Partner nicht im Stich zu lassen. Nichts davon war neu, aber weil es womöglich das letzte Mal war, hat Jose Maria Olazabal es besonders genossen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar