Sport : Spanische Schönheit

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Martín E. Hiller über die

Dream Teams dieser Welt

Schon zu seinem Amtsantritt hatte Real Madrids Präsident Florentino Perez den Mitgliedern versprochen, die größte Fußball-Mannschaft des Jahrhunderts aufzubauen. Ein Dream Team. Nach Ronaldos Verpflichtung wähnt er sich am Ziel angekommen. Doch was ist das überhaupt, ein Dream Team? Wenn eine Mannschaft bis an die Grenze zur Unbesiegbarkeit erfolgreich und zugleich elegant-harmonisch wie Synchronschwimmerinnen daherkommt, erhält so ein Titel durchaus Berechtigung. Wie im Falle der US-Basketballer, die bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona die erste Traummannschaft stellten. Die Zuschauer waren von der Unbesiegbarkeit der Amerikaner genauso begeistert wie von dem spielerischen Glanz, den diese verbreiteten. In derselben Stadt spielte zu dieser Zeit ein Äquivalent im Fußball. Der FC Barcelona unter Trainer Johan Cruyff zeigte damals den nach Meinung mancher Experten schönsten Vereinsfußball aller Zeiten. Ein Hochgenuss, Spielern wie Michael Laudrup, Hristo Stoichkow oder Romario beim Direktpass zuzusehen. Für den höchsten Titel im europäischen Fußball reichte es allerdings nur ein einziges Mal. So wie die Frankfurter Eintracht mit Uwe Bein, Jay-Jay Okocha und Anthony Yeboah zur selben Zeit bezaubernden Fußball darbot – und nicht einmal Meister wurde.

Wer aber ist die beste Fußball-Mannschaft aller Zeiten? Bereits in den ausgehenden Fünfzigerjahren hatte Real ein Team, das mit fünf Europapokalsiegen in Folge und überaus elegantem Spiel das Maß aller Dinge im Fußball war. Dieses Team könnte sich heute wohl kaum in der Regionalliga halten. Der Fußball hat sich einfach zu weit entwickelt, als dass man die Mannschaften verschiedener Jahrzehnte vergleichen könnte.

Der Begriff Dream Team wird inzwischen schon fast inflationär benutzt. Neben dem FC Barcelona wurde beispielsweise auch der dann gar nicht so überragende FC Bayern mit Jürgen Klinsmann und Lothar Matthäus mal so bezeichnet. Und die Amerikaner fingen an, ihre Basketball-Nationalteams als Dream Teams durchzunummerieren wie die Fortsetzung eines Spielfilms. Nun ließ man davon ab, denn keine Mannschaft erreichte den Glanz von Larry Bird, Michael Jordan und Earvin „Magic“ Johnson.

An diesen n müssen sich nun Real Madrids Casillas, Hierro, Helguera, Delgado, Carlos, Makalele, Figo, Zidane, Cambiasso, Raul und Ronaldo messen. Wenn sie ein Dream Team sein wollen, müssen sie Erfolg haben – und schön spielen.

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