Sport : Spannung nach Regie

Risi und Betschart gewinnen das Sechstagerennen – wie immer fiel die Entscheidung in der letzten Runde

Hartmut Moheit

Berlin. Es war wie immer. Als am Dienstagabend zum letzten Mal die Glocke beim Sechstagerennen ertönte, saß kein Zuschauer mehr. Vom letzten Spurt zwischen Bruno Risi und Silvio Martinello, dem entscheidenden für den Gesamtsieg, wollten die 13 000 in der Berlin Arena keine Zehntelsekunde verpassen. Was sich in der Schlussrunde abspielte, übertraf alles an den Vortagen Erlebte. Auch deshalb, weil die Sympathien der Fans zweigeteilt waren. Die einen unterstützen den Italiener Martinello, weil der das letzte Rennen in seiner langen Profilaufbahn bestritt, die anderen waren auf der Seite des Schweizers Risi, der mit Kurt Betschart noch nie in Berlin gewinnen konnte. Ein Regisseur hätte das Finale nicht besser inszenieren können. Am Ende siegte Bruno Risi. Gemeinsam mit Betschart ließ er sich vom begeisterten Publikum bejubeln.

Die Zuspitzung zum Schluss zu präsentieren, das klappt in Berlin perfekt, seit 1997 im damaligen Velodrom das Sechstagerennen wiederbelebt worden war. Wie auch immer die Zweierteams eingestuft worden waren, als Lokalmatadoren, Publikumslieblinge, Außenseiter oder Favoriten, die Finalspurts standen jedesmal unter besonderen Vorzeichen. Und damit hielt sich auch beharrlich das Gerücht, die sportliche Show über sechs Tage sei inszeniert. Beweise dafür gibt es natürlich keine. Und weil es die auch nicht geben darf, formuliert es der Sportliche Leiter der Sixdays, Otto Ziege, gerne so: „Es ist eben die Kunst, nur die richtigen Fahrer zusammen fahren zu lassen.“ Und beim Sechstagerennen in Berlin gelingt ihm das immer.

Auch für Patrick Sercu, der auf 88 Siege bei Sechstagerennen verweisen kann, ist das die Grundlage für die Spannung bis zum Schluss. „Nie würde ein Fahrer von vornherein auf seine Chance verzichten“, versichert der Belgier. Und: „Es braucht ein paar Jahre, bis ein Sechstagefahrer neben Kraft auch das richtige Gefühl für die Rennsituationen hat.“ Soll heißen: Die Routiniers sind besonders gefordert. Von denen gilt einer als der Kopf des gesamten Feldes. Das bestätigt auch Otto Ziege: „Silvio Martinello ist der Kapitän, auf ihn hören alle.“ Für das 93. Sechstagerennen im kommenden Jahr wird nun ein anderer Fahrer diese Aufgabe übernehmen.

Den Fans ist diese Rollenverteilung egal. Sie kommen zum Sechstagerennen, weil sie die Show wollen. Spannung an jedem Tag ist ihnen das Wichtigste. Und eines wollen sie ganz bestimmt: die Entscheidung im letzten Spurt. Dann stehen sie alle auf und klatschen. Und der Hallensprecher jubelt so laut wie am Dienstagabend. Hitchcock hätte es nicht besser inszenieren können.

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