Sport : Sparen an der Kür

Opel macht schwere Zeiten durch – und stellt sein Sport-Sponsoring in Frage

Stefan Schweiger

Berlin - Peter Kreuzer ist eigentlich gute Nachrichten gewohnt. Der Vorsitzende des Judoclubs Rüsselsheim (JCR) kann sich regelmäßig über Erfolge seiner Mannschaft freuen: Die Frauenmannschaft ist amtierender Deutscher Meister, die Männer haben gerade den Aufstieg in die Bundesliga geschafft. Nun aber hat Opel, der Hauptsponsor des Vereins, zum Jahresende den Vertrag gekündigt – nach 20 Jahren. Opel steckt in der Krise, der Betrieb muss 500 Millionen Euro einsparen, und gespart wird auch beim Sponsoring für den Sport. Ob es einen neuen Vertrag zu geringeren Konditionen geben wird, ist unsicher. „Sollten wir keinen Vertrag bekommen, fehlen uns 80 Prozent des Etats. Dieses Geld ist notwendig zum Überleben“, sagt Kreuzer. Opel hat Vertragsverhandlungen in Aussicht gestellt, bisher ist aber nichts geschehen.

Seit 40 Jahren ist Kreuzer Mitglied im Judoverein, seit 20 Jahren arbeitet er bei Opel. Kreuzer ist in Rüsselsheim verwurzelt. Der Autokonzern gibt dem Ort Identität. Die örtlichen Sportvereine sind abhängig von Opel, auf die jährliche Vertragsverlängerung konnten sie sich bisher immer verlassen. Etwa der deutsche Hockey-Meister bei den Frauen, der Rüsselsheimer RK, oder die Volleyballer der TG Rüsselsheim aus der Zweiten Bundesliga. Beiden wurden ebenfalls die Verträge gekündigt. „Opel hat sich immer als guter Nachbar im Umfeld gezeigt“, sagt Dietmar Thate, Leiter von Opels Sponsoring-Kommunikation. „Aber wenn Tausende von Arbeitsplätzen auf dem Spiel stehen, muss man auch beim Sponsoring sparen.“

Selbst Sportarten, die im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen, sind von der Opel-Krise betroffen: Den größten Posten wird Opel bei der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) einsparen, der Ausstieg nach der Saison 2005 ist beschlossene Sache. „Die DTM ist für einen Autobauer die Kür, aber angesichts der Krise muss man sich eben auf die Pflicht konzentrieren“, sagt Malte Dringenberg, bei Opel verantwortlich für den Motorsport. Die Kosten für Opels bisheriges DTM-Engagement werden auf 30 Millionen Euro pro Jahr geschätzt. Offizielle Zahlen zum Sport-Sponsoring veröffentlicht Opel nicht. Die Gesamtkosten werden von Experten auf 50 Millionen Euro geschätzt.

Lange galt Opel als Topsponsor in Europa. Mit Trikotwerbung beim FC Bayern oder PR-Auftritten von Steffi Graf und Franziska van Almsick war Opel im Sport lange präsent wie kaum ein anderes europäisches Unternehmen. Nun ist die Zukunft für viele Sportler ungewiss: Der Vertrag mit dem deutschen Basketball-Meister Opel Skyliners läuft Ende 2005 aus, ebenso wie der mit den Veranstaltern des „Ironman“-Triathlons in Frankfurt am Main und dem Opel-Triathlon-Team.

„Wo Opel einsparen wird und welches Engagement noch sinnvoll ist, muss man jetzt prüfen“, sagt Thate. Wann Kreuzer Klarheit über die Zukunft seines Judoclubs hat, weiß er nicht. Nur schnell muss es gehen: Im Januar beginnt die Saison für die Einzelkämpfer, im April startet die Bundesliga.

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