Sport : Spaß auf dem Rollfeld

Beim Wheel-Soccer des SV Pfefferwerk können auch Kinder mit starken Behinderungen aufs Tor zielen

Wiete ist fit im Rollstuhl. Das zwölfjährige Mädchen leidet an einer Gelenkserkrankung, aber das Training in der Rollstuhlsportgruppe des Vereins Pfefferwerk hat ihr schon immer Spaß gemacht. „Aber warum können wir nicht auch mal an einem richtigen Wettbewerb teilnehmen, das wäre doch mal cool“, hatte das Mädchen ihren Trainer Oliver Klar gefragt. Damit war die Idee zum Projekt „Wheel-Soccer-Cup“ in Berlin geboren – das nicht nur alle Teilnehmer fördert und ihnen Spaß macht, sondern das jetzt auch mit dem Innovationspreis des Berliner Sports ausgezeichnet wurde.

Wie aber können Kinder mit teils schweren körperlichen und auch geistigen Behinderungen in einem Turnier Sport treiben? Wheel-Soccer bietet die Lösung. Es ist eine Mischung aus Fußball und Handball mit einem weichen, großen sogenannten Pezzi-Ball. Der darf nur mit den Händen gespielt oder mit dem Rollstuhl gekickt werden, obwohl der Sport übersetzt eigentlich Rollstuhlfußball heißt. „Wir haben einen Jungen, der hat solche motorische Einschränkungen, dass er den Ball auch mit den Füßen schießen darf“, sagt Oliver Klar. Der Sonderpädagoge hat den Sport, der anderswo in Deutschland und der Welt schon gespielt wurde, in die Trainingshalle des Sportvereins Pfefferwerk an der Winsstraße in Prenzlauer Berg geholt.

Meist besteht ein Team aus fünf Mitspielern, einer rollt dann im Tor hin und her und die anderen gehen darauf los. Kinder im Elektrorollstuhl können ebenfalls mitmachen. Und „Fußgänger“ dürfen sich auch mal in den Rollstuhl setzen, die können ihr Geschick dann aber auf einem Rollstuhl-Parcour außerhalb des Spielfelds auf zwei Rädern ausprobieren.

Zwei Mal gab es den Wheel-Soccer-Cup in Berlin schon, der erste fand 2009 statt. Auch in diesem Jahr war das Turnier der Kinder mit Behinderungen in das „Pankow Festival“ integriert, im Juni traten alle in der Max-Schmeling-Halle gegeneinander an. Wer das Youtube-Video anklickt, sieht schnell, welchen Spaß die Mädchen und Jungen am Wheel-Soccer haben. „Wir wollten den Kindern ermöglichen, Sport zu treiben, für die Rollstuhlbasketball oder -rugby zu hart oder zu anspruchsvoll ist“, sagt Organisator Klar. Die meisten Kinder sind Spastiker, der Verein SV Pfefferwerk kooperiert auch mit Förderschulen für Behinderte wie der Helene-Haeusler-Schule und der Carl-von-Linné-Schule. „Einige von den Schülern treiben jetzt Sport bei uns im Verein“, sagt Klar. Mitarbeiter eines Sanitätshauses waren beim Turnier mit am Start, berieten Eltern und Kinder. Geholfen hat Oliver Klar zufolge auch die Unterstützung der „Aktion Mensch“ – so konnten die Teilnehmer T-Shirts und andere Erinnerungen vom Turnier mit nach Hause nehmen. Der SV Pfefferwerk weiß schon länger, wie man Menschen mit und ohne Behinderungen durch Sport zueinanderbringt: Er unterstützt auch die Veranstaltung „Bewegung Integrale“. Dabei soll Sport helfen, eigene Grenzen und eigene Möglichkeiten auszutesten. Und er soll Spaß bringen wie beim Wheel-Soccer-Cup.

Oliver Klar und sein Team vom Pfefferwerk sind schon dabei, das nächste Turnier fürs kommende Jahr zu organisieren. Unterstützer werden noch gesucht. Klar hat sich als examinierter Sonderpädagoge nicht für die Schule, sondern für den Sport entschieden. „Die Arbeit ist sehr bereichernd“, sagt Oliver Klar. „Und ganz ehrlich, ich finde, dass meine Leute begeisterungsfähiger sind und nicht so anstrengend wie herkömmliche pubertierende Gymnasiasten.“

Infos: www.pfeffersport.de

Die meisten Kinder

sind Spastiker und

lernen in Förderschulen

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