Sport : Spaß in Spa

Sebastian Vettel siegt auch in Belgien und hat jetzt schon mehr Punkte als in seiner Weltmeistersaison in der Formel 1

Karin Sturm[Spa]
Auf Schmusekurs. Sebastian Vettel kann sich mit der Trophäe für den Sieg in Spa offensichtlich anfreunden. Foto: dapd
Auf Schmusekurs. Sebastian Vettel kann sich mit der Trophäe für den Sieg in Spa offensichtlich anfreunden. Foto: dapdFoto: dapd

Besser hätte es eigentlich in Spa nicht laufen können: Nicht für Sebastian Vettel, der mit seinem siebten Saisonsieg seinen Vorsprung in der Weltmeisterschaft auf 92 Zähler vor seinem Teamkollegen Mark Webber ausbaute und jetzt mit 259 Punkten schon mehr Punkte hat als in seiner kompletten WM-Saison 2010.

Nicht für Michael Schumacher, der nach einer bösen Panne im Qualifying, als er an seinem Mercedes ein Rad verlor, als Letzter starten musste und dann noch bis auf Platz fünf nach vorne fuhr. Und nicht für die Zuschauer, die zum ersten Mal an diesem verregneten Wochenende im Trockenen saßen und dennoch ein Rennen sahen, das der frühere Weltmeister Niki Lauda wegen der vielen spektakulären Überholmanöver als „das beste seit langen Zeiten“ bezeichnete.

Sebastian Vettel, der sich am Ende souverän vor seinem Red-Bull-Teamkollegen Mark Webber und Jenson Button im McLaren-Mercedes durchgesetzt hatte, freute sich riesig, endlich auch einmal in Spa gewonnen zu haben: „Ich bin schon ein bisschen stolz darauf, dass ich jetzt auch auf dieser klassischen schwierigen Strecke gewonnen habe.“

In der 13. Runde ging aber eines der vielen spektakulären Überholmanöver schief. Lewis Hamilton hatte sich auf der langen Geraden Kamui Kobayashi geschnappt, der Japaner wollte kontern – und am Ende der Geraden krachte es gewaltig, so dass der Engländer in die Leitplanken flog. Der McLaren-Pilot blieb unverletzt. „Es ist alles okay“, sagte Hamilton, „ich weiß nicht genau, was passiert ist, ich bin einfach getroffen worden, dann war das Rennen vorbei.“ Die Rennkommissare entschieden auf normalen Rennunfall, ohne weitere Folgen. Nach der Safety-Car-Phase konnte Vettel Fernando Alonso überholen und einen Vorsprung herausfahren. „ Das hat sich am Ende ausgezahlt“, sagte Vettel.

Das Safety Car half auch Michael Schumacher. Der hatte am Samstagabend nach seinem Frust wegen des Trainingsunfalles mit dem ganzen Fahrerlager sein 20-jähriges Formel-1-Jubiläum mit einer Kölsch- und Currywurstfete im Mercedes-Motorhome gefeiert.

Sein ehemaliger Manager Willi Weber kritisierte vor dem Rennen Schumachers Comeback: „Ich habe bisher niemanden kennengelernt, der sagt, das war gut oder das war eine kluge Entscheidung. Ich glaube, Michael selbst auch nicht.“ Doch diesmal zumindest blitzte sein altes Können wieder auf. „Ich hatte sehr viel Spaß, weil ich sehr viele Möglichkeiten hatte, mich in Szene zu setzen“, sagte Michael Schumacher, „ich konnte aus der negativen Situation von gestern etwas Positives zu machen.“

Besonders freute er sich über die Atmosphäre an der Strecke, auf der er vor 20 Jahren zum ersten Mal an den Start in der Formel 1 gegangen war. „Es ist schön zu wissen, dass man von so vielen Fans unterstützt wird“, sagte Schumacher. Dass er den letzten Positionsgewinn gegen seinen Teamkollegen Nico Rosberg vielleicht auch der Tatsache verdankte, dass dieser die Anweisung bekam, ein bisschen Sprit zu sparen, spielte seiner Meinung nach keine Rolle: „Ich bin mir sicher, dass er in dem Moment voll am Gas war. Ich war viel schneller und habe das für mich nutzen können.“

Hinter den beiden Mercedes-Piloten landete Adrian Sutil auf Platz sieben. Eine Chance auf Punkte hätte auch Bruno Senna gehabt, der erstmals für Nick Heidfeld im Renault saß. Er liefert mit Startplatz sieben ein tolles Qualifying ab, wurde dann aber am Start ein Opfer der Tatsache, denn Renault noch nie mit vollen Tanks gefahren zu sein schien. So verpasste er den Bremspunkt in der ersten Kurve, krachte mit dem Toro Rosso von Jaime Alguersuari zusammen und holte sich nicht nur einen Reifenschaden, sondern kassierte auch gleich noch eine Boxendurchfahrtsstrafe und wurde am Ende nur 13. „Sorry für Jaime, tut mir wirklich leid“, sagte Bruno Senna, „aber insgesamt kann ich mit dem Wochenende zufrieden sein – ich bin ja noch ganz am Anfang meiner Lernphase.“

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