Sport : Spaß mit dem Bundesadler

Beim 95:66 der Basketballer gegen Angola zeigt sich Chris Kaman gut integriert

Benedikt Voigt

Peking - Chris Kaman hat nicht mitgemacht. Fast alle deutschen Basketballspieler liefen gestern mit den olympischen Ringen im Haar auf das Spielfeld der Wukesong-Arena, der Center nicht. „Das sind Feiglinge“, sagte Kamans Teamkollege Dirk Nowitzki grinsend. „Ich muss mich ja danach bei meiner Freundin wieder sehen lassen, sie würde das nicht mögen“, erklärt Kaman, „außerdem hat es Pascal Roller auch nicht gemacht.“ Der trägt allerdings eine Glatze.

Man könnte aus seiner Weigerung schließen, dass der im Juni eingebürgerte US-Amerikaner noch nicht im deutschen Team angekommen ist. Doch auf dem Feld war exakt das Gegenteil zu sehen. Beim 95:66 (54:34)-Sieg über Angola im ersten Gruppenspiel des olympischen Basketballturniers überzeugte der NBA-Spieler von den Los Angeles Clippers und erzielte sogar einen Punkt mehr (24) als Nowitzki. Die beiden 2,13 Meter großen Spieler dominierten vor allem in der ersten Hälfte unter den Körben und gaben den Ausschlag dafür, dass die Deutschen das Spiel ab dem zweiten Viertel im Griff hatten. Kaman wirkte spielerisch gut integriert, obwohl er erst vor vier Wochen sein erstes Spiel für Deutschland bestritten hat. „Es war gut, dass er zuletzt noch mal mit der Mannschaft trainieren konnte, er muss jetzt nicht mehr improvisieren“, sagt Bundestrainer Dirk Bauermann. „Die Spieler wissen, wenn sie ihm den Ball geben, passieren gute Sachen.“

Es ist eine wunderliche Geschichte, dass der Mann aus Michigan mit einem Bundesadler auf der Brust aufläuft. „Mein Vater mag es nicht“, sagt Kaman. „Er sagt: Du bist nicht deutsch, du bist Amerikaner.“ Er habe ihm geantwortet, dass es doch dessen Großeltern gewesen seien, die während des Ersten Weltkriegs aus Deutschland ausgewandert seien. Der Urenkel ist nun am 6. Juli zurückgekommen. Er spricht fast kein Wort Deutsch, „nur Wörter, die ihr nicht hören wollt“, sagt Kaman. Im Bus versteht er nicht, worüber die anderen Spieler reden. „Ich setz dann meine Kopfhörer auf und höre Musik.“

Sogar mit den Clippers hat er Ärger in Kauf genommen, um für ein Land zu spielen, das er nicht kennt. „Da sind unschöne Sachen gelaufen, man hat mich belogen“, sagt er. Auch die Einbürgerung und die Versicherung für seinen lädierten Knöchel zogen sich hin. Er hat es trotzdem gemacht, er sagt: „Ich hatte den Deutschen mein Wort gegeben.“ Warum aber spielt er für ein Land, das er nicht kennt? „Ich will Basketball spielen, das ist die Hauptsache“, sagt er. Ob auch in Zukunft für Deutschland, macht er von Nowitzki abhängig: „Wenn er spielt, spiele ich auch.“ Sein neuer Reisepass scheint eher die Funktion eines Spielerpasses zu besitzen.

Am 18. August wird Kaman über seine Entscheidung noch mal nachdenken müssen. Vor dem Spiel gegen die USA wird er eine Nationalhymne hören, deren Wörter er nicht kennt, und eine, die er im Kindergarten gelernt hat. Kaman sagt: ,„Ich weiß noch nicht, was ich mache.“ Möglich, dass ein deutscher Nationalspieler die Hand aufs Herz legt, wenn die Hymne der USA erklingt. Benedikt Voigt

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