Sport : Spaßige Eisbären

Trainer Pagé kritisiert die Einstellung seiner Spieler

Claus Vetter

Berlin - Pierre Pagé polterte. Erregt und mit hochrotem Kopf bemängelte der Trainer des EHC Eisbären nach der 2:3-Niederlage der Berliner am Dienstagabend gegen Ingolstadt die Einstellung seiner Spieler. Der Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga habe vorbeigeschaut, sagte Pagé. Und dann so etwas. Der Trainer stieß etwas aus, was sich aus dem Englischen entschärft als „diese ärgerliche Halloween-Woche“ übersetzen lässt. Offensichtlich hätten seine Spieler zu viel gefeiert. „Sie wollten ihren Spaß haben, sie hatten ihren Spaß, aber gegen Ingolstadt hatten sie dann keinen Spaß“, sagte er. „ Meine Spieler haben nicht verstanden, dass es sich um ein Heimspiel handelte. Zweimal in Unterzahl, zwei Gegentore. Das ist doch nicht normal.“

Spaßige Eisbären, nur abseits der Eisfläche? Die Spieler stimmen Pagés Einschätzung nur teilweise zu. Stürmer Florian Busch sagt zwar: „Der Trainer hat Recht. Wenn wir Halloween feiern, müssen wir auch arbeiten können.“ Allerdings sagt er auch: „Wir haben uns doch nicht grundlos besoffen, sondern nur ein bisschen gefeiert.“

An Halloween wird es wohl nicht liegen, dass der Meister in dieser Saison Probleme hat, gegen die Spitzenmannschaften der Liga zu bestehen. „Unser Problem ist, dass wir in den wichtigen Spielen nicht mit der nötigen Entschlossenheit aufs Eis kommen“, sagt Manager Peter John Lee. „Das war auch gegen Ingolstadt zu beobachten.“ Zudem fehle den Berlinern momentan noch die Konstanz, drei Drittel lang eine gute Leistung zu bringen, sagt Stürmer Busch. „Ich wäre Trainer, wenn ich wüsste, woran das liegt.“ Pagé glaubt es zu wissen. „Wir brauchen dringend zwei Verteidiger“, sagt er. Das Team sei eben nicht durchweg gut genug besetzt, um immer mit den Spitzenteams mitzuhalten, gibt Manager Lee zu. „Wir haben nicht fünf oder sechs Verteidiger von der Klasse, wie sie Ingolstadt hat.“

Viel Geld für neue Spieler scheint bei den Berlinern jedoch nicht vorhanden zu sein, auch wenn Lee sagt, dass er täglich nach Verstärkung für die Verteidigung forste. „Es kann aber sein, dass wir bis Saisonende mit dem auskommen müssen, was da ist.“ Das ist keine Horrorvision. Denn so schlecht, wie die Eisbären mancherorts gesehen werden, sind sie gar nicht. Und manch ein Spieler hat sein Potenzial noch gar nicht ausgeschöpft. Der neue Torwart Tomas Pöpperle zeigte gegen Ingolstadt durchaus gute Ansätze. Der junge kanadische Stürmer Patrick Jarrett deutete bei seinem Debüt an, dass er seinem Team weiterhelfen kann, wenn die Eingewöhnungsphase vorüber ist. Und schließlich haben die erfahrenen Spieler auch noch nicht durchweg die Form erreicht, die sie angesichts ihrer Leistungsfähigkeit erreichen können. „Da haben wir noch zu viele Häuptlinge und zu wenig Arbeiter“, stellt Lee fest. Vielleicht ist daher ein Wutausbruch, wie ihn Pierre Pagé am Dienstagabend hatte, auch ganz hilfreich.

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