Sport : Spaziergang im Bad

Spandau 04 wird zum 25. Mal Wasserballmeister und muss um Spieler bangen

Hartmut Moheit

Berlin - Wegrennen ist zwecklos, das weiß Peter Röhle nicht erst, seitdem er Spandau 04 trainiert. Oft genug hat er selbst als Spieler kräftig zugepackt, wenn es nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft galt, den Trainer ins Wasser zu befördern. Seit 1997 ist es nun Röhle selbst, der im hohen Bogen hineingeworfen wird. Wie gestern im Forumbad vor 400 Fans, nachdem sein Team durch ein 23:4 (5:2, 5:1, 6:0, 7:1) gegen den ASC Duisburg im dritten Finalspiel den 25. Meistertitel erkämpft hatte.

„Dieses Ritual gehört einfach dazu“, sagte der pudelnasse Trainer hinterher, „zumal wir in dieser Saison noch einen besonderen Grund zur Freude haben, kein Gegner konnte uns national auch nur einen Punkt abnehmen.“ Bereits in der vorigen Saison war es nicht anders.

Natürlich hatte Röhle seine Spieler auch vor dem dritten Spiel in der Best-of-five-Serie wieder gewarnt, die Duisburger zu unterschätzen, aber das hätte er auch gegen einen Abstiegskandidaten so gehandhabt. Sein Team machte ihm die Freude, sorgte gegen die sich selbst aufgebenden Duisburger wenigstens noch einmal für eine Torflut. Getrübt wurde der Tag nur von einer Nachricht, die auf die Ambitionen der Spandauer in der Champions League in der kommenden Saison negative Auswirkungen haben könnte: Thomas Schertwitis, der bullige und wurfgewaltige Center, hat einen Profivertrag in Griechenland bei Olympiakos Piräus unterschrieben.

Hagen Stamm, Spandauer Vereinspräsident und deutscher Nationaltrainer in Personalunion, befürchtet nun, dass seinem Beispiel weitere Wasserfreunde folgen könnten. Auch Marc Politze soll ebenfalls ein Angebot aus Griechenland vorliegen. Dagegen war längst bekannt, dass Slawomir Andruskiewicz, der seit 1991 in Berlin aktiv ist, seine Laufbahn beendet und Nachwuchstrainer wird.

„Angebote haben einige, ich hoffe nur, dass ich Mitte dieses Monats darüber Klarheit habe“, sagt Stamm, dem an seinem 44. Geburtstag die totale Spandauer Überlegenheit in der Meisterschaft auch nicht so recht behagte. „Egal, jetzt müssen die besten deutschen Wasserballer ein starkes Team für Olympia bilden, nur das zählt in diesen Tagen. Alles andere kommt später.“ Was dem überhaupt nicht zuträglich war, kam gestern aus dem Munde des Duisburger Trainers Marcel ter Bals: „In Deutschland gibt es zwei Meister: Spandau ist es bei den Profis, wir sind es bei den Amateuren.“ Mit dieser Aussage treibt ter Bals erneut einen Keil zwischen Spandau 04 und die restlichen Bundesligaklubs, ohne zuzugeben, dass durch die Konzentration der Kräfte in Berlin erst die Olympiateilnahme in Athen möglich wurde.

Alexander Tchigir, Patrick Weissinger, Fabian Schroedter, Thomas Schertwitis, Marc Politze, Jens Pohlmann, Sören Mackeben, die gestern mit den Spandauern im offenen Bus auf dem Ku’damm feierten, spielen für Spandau 04, während der Rest der Olympiakandidaten aus Cannstatt, Uerdingen, Hannover und mit Tobias Kreuzmann vom ASC Duisburg kommt. „Die nächste Woche an der Ostsee in Dierhagen werde ich nutzen, um jegliche Diskussionen unter den Spielern zu beenden“, sagt Stamm. Duisburgs Auftritt in Berlin hat ihm überhaupt nicht gefallen: „Von Duisburg muss man enttäuscht sein, da war keine Gegenwehr.“

Ab heute soll das vergessen sein, da zählt zunächst nur noch der 15. August, wenn Deutschland das Olympiaturnier gegen Griechenland beginnt. „Da sind wir Außenseiter, und ich wäre gern der Rehhagel“, sagt Stamm in Anlehnung an die Fußball-EM, bei der die Griechen mit dem deutschen Trainer überraschten.

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