Sport : Speakers Corner

Benedikt Voigt

Uschi Disl staunte, als sie den ungewöhnlichen Treffpunkt zum ersten Mal sah. „Das ist doch nicht euer Ernst“, sagte sie. Kurz zögerte sie, dann stieg sie eine kleine, schneebedeckte Anhöhe hinauf – und stellte sich neben eine gelbe, hüfthohe Mülltonne. Zu den Journalisten, die bei ihr standen, sagte sie: „Eine Pressekonferenz an der Mülltonne, da sollte mal jemand drüber schreiben.“ Was hiermit gemacht wird.

Seit Beginn der Olympischen Winterspiele halten die Biathleten ihre Pressekonferenzen an einer gelben Mülltonne ab. Im Freien. Der Pressesprecher des Deutschen Skiverbandes (DSV), Stefan Schwarzbach, verschickt regelmäßig Textnachrichten mit der Botschaft: „DSV-Treff Biathlon, an der DSV- Tonne um soundso mit soundso.“ Eigentlich hatte er diese Gespräche im Biathlon-Pressezentrum abhalten wollen, doch das Organisationskomitee ließ das nicht zu. „Wenn hier in 30 Jahren wieder Olympische Spiele stattfinden, sollen die Sitze ja sauber sein“, sagt Schwarzbach ironisch. Er musste eine Alternative suchen. Irgendwann entdeckte er die Mülltonne zwischen den Containern für die Athleten und schleppte sie auf die kleine Anhöhe. Um den Treffpunkt zu markieren.

Die Tonne hat inzwischen eine gewisse Berühmtheit. Der Mann vom „Biathlon-Magazin“ hat die Tonne fotografiert und will das Foto veröffentlichen. Stefan Schwarzbach überlegt schon, ob er die Tonne nach Deutschland transportiert. Vielleicht kann man sie ja im Deutschen Skimuseum Planegg gebrauchen. Nur einmal hat sie keine Verwendung gefunden. Als Alfons Hörmann am Rande des Biathlons etwas Wichtiges zu sagen hatte, war die Tonne verschwunden. Aus Imagegründen. „Ich kann doch“, sagt Schwarzbach etwas verlegen, „den Verbandspräsidenten nicht neben eine Mülltonne stellen.“

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