Sport : Speedway: Neuer Anlauf mit altem Helden

Hartmut Moheit

Wenn Egon Müller ins Plaudern kommt, über alte Zeiten natürlich, dann steht nur einer im Mittelpunkt: Egon Müller. Irgendwann kommt dann garantiert auch dieser Satz: "Ich hatte in meiner Karriere 65 Knochenbrüche, war aber niemals bewusstlos." Beim 52-Jährigen, bis 1996 ein Star der Sandbahn- und Speedway-Szene, zählt das Bett in der Kieler Uni-Klinik ebenso zur Vita, wie die vier Weltmeistertitel, die acht bei Europameisterschaften und jene 17 in Deutschland. Erfolge und Selbstdarstellung gehören zu ihm wie der Methylalkohol in seinem Tank. Wie kein Zweiter versteht es Müller, den Motorrad-Bahnsport mit seiner Person zu verkaufen. Von seinem Showtalent als Sänger, Discjockey, Schauspieler und Drehbuchautor profitierten auch die Veranstalter, denen der Held aus Deutschland viel Publikum und damit volle Kassen garantierte.

Von so einem Mann träumt auch Gerd Sievers, der mit Robert Barth und Mirko Wolter zwei gute, aber eben namenlose Fahrer präsentiert. Zwar beteuert Müller "beide können gegen die Stars für eine Überraschung sorgen", aber der Organisations-Chef des Großen Preises von Deutschland im Speedway (am 5. Mai ab 19 Uhr im Jahn-Stadion) rückt dann doch mehr die Cracks in den Vordergrund. Beim ersten Lauf auf der Grand-Prix-Tour 2001, nach deren Ende der Weltmeister gekürt wird, sind Männer wie Mark Loram (England), Billy Hamill (USA), Tony Rickardsson (Schweden) oder Jason Crump (Australien) die Stars. Und auch der Pole Tomasz Gollob, der in seinem Land bereits Kultstatus besitzt. "Ich wollte ihn für ein Foto-Shooting am Brandenburger Tor haben, aber er war unglaublich teuer", erzählt Sievers. "Das nächste Mal hole ich Claudia Schiffer, sie ist billiger zu haben."

Beim Thema Kosten wird es Gerd Sievers ohnehin etwas mulmig. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich 48 Stunden ohne Schlaf durchhalten kann", sagt er. Eine halbe Million Mark an Ausgaben, das birgt einige Risiken in sich. Sievers, der seit fünf Jahren erfolgreich das Spektakel "Master of Spike" im Sportforum Hohenschönhausen veranstaltet, will aber die Speedway-Serie fest in Berlin etablieren. "Um das zu schaffen, hoffen wir auf einen mit 20 000 Besuchern ausverkauften Jahnsportpark", fordert Sievers die Berliner Motorsportfreunde heraus. Es sind nicht die "150 000 Dollar Preisgeld, davon 25 000 für den Sieger" (Renn-Direktor Ole Olsen), sondern der enorme Aufwand im Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion, der die Kosten in die Höhe treibt. Die Bande um die 387 Meter lange Tartanbahn steht, der Belag, 1700 Tonnen eines Sand-Lehm-Gemisches aus Niederlehme, müssen aufgebracht und das Umfeld dem zu erwartenden Zuschaueransturm angepasst werden. "Die Anlage im Prenzlauer Berg bietet sich für Speedwayrennen geradezu an", schwärmt Olsen. Der mehrmalige Weltmeister wurde für seine Erfolge von der dänischen Königin zum Ritter geschlagen. "In Deutschland könnte das Egon Müller höchstens bei seiner Frau passieren", sagt Sievers.

100 000 Fans - wie im Londoner Wembley-Stadion -, bis dahin ist es in Berlin noch ein weiter Weg. Abgesehen davon, dass es ein solches Stadion in der Stadt nicht gibt. Mit Müller im Organisationsstab hat man sich bei der Bewerbung um den Grand Prix gegen Barcelona und Monaco behauptet. Da haben seine alten Geschichten nicht gezählt, aber der Name wohl schon.

0 Kommentare

Neuester Kommentar