Sport : Spektakel im Sand

Rego/Santos siegen beim Berliner Beachvolleyball

Frank Bachner

Berlin - Ricardo Santos hatte bis zum Schluss die Sonnenbrille auf der Nase. Auch dann noch, als er Emanuel Rego um den Hals sprang, während dunkle Regenwolken den Himmel verdüsterten. Aber da hatte er mit Rego ja bereits gerade das Berliner Beachvolleyball-Weltcupturnier gewonnen. Eine Premiere und ein Prestigesieg zugleich. Die Olympiasieger aus Brasilien hatten die Weltmeister geschlagen, die US-Amerikaner Todd Rogers und Philip Dalhausser. 2:1 (25:27, 21:19, 15:13), knapper geht es nicht.

Eine Szene, typisch für’s ganze Spiel: Erster Satz, 21:20 für die Brasilianer, beide Teams greifen stark an, beide wehren glänzend ab, auch Bälle, die fast unerreichbar scheinen, am Ende verwandelt Rogers mit einem cross geschlagenen Ball. Die 5000 Zuschauer sind außer sich, der Stadionsprecher rennt mit seinem Mikrofon über die Anlage und brüllt gegen dröhnende Rock-Rhythmen an: „Was ist denn hier los?“ Hier lief ein hochklassiges, spektakuläres Endspiel. Und es lief, als hätte jemand am Computer den Ablauf optimal programmiert: Drei Minuten nach dem Matchpoint begann ein Wolkenbruch. Da musste selbst Ricardo Santos die Brille abnehmen.

Julius Brink verfolgte das Ganze auf der Tribüne. Er wäre gerne selber unten gestanden, mit Christoph Dieckmann, seinem Partner. Die beiden haben Rego/Santos in diesem Jahr schon dreimal besiegt. Stattdessen war er „stocksauer“. Er war mit Dieckmann Vierter geworden, nur Vierter. Und im Halbfinale waren die Deutschen ausgerechnet an Rego/Santos gescheitert. Als die Olympiasieger nicht mehr auf Brink, sondern auf Dieckmann aufschlugen, wackelten die Deutschen – und verloren 1:2. Im Spiel um Platz drei unterlagen Brink/Dieckmann den Europameistern Pablo Herrera/Raul Mesa (Spanien) 0:2.

Und Brink hatte plötzlich jenes Selbstbewusstsein eingebüßt, das er noch vor Turnierbeginn gezeigt hatte. Eine Medaille sei natürlich drin bei Olympia. Das hatte er vor dem Grand Slam gesagt. Nach dem Turnier erklärte er: „Wir gewinnen nur, wenn wir 100 Prozent unserer Leistungsfähigkeit abrufen.“ Sonst steht man ganz schnell auf Platz vier. Nicht mal mehr seine bloße Olympiateilnahme betrachtete er in der ersten Enttäuschung als Naturgesetz. „Christoph Daum hatte auch schon verkündet, er würde mit Leverkusen Deutscher Fußballmeister. Und dann...“ Dann holte Bayern München die Meisterschale. Frank Bachner

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