Sport : Spenden statt schenken

In Berlin wurde gestern die Hertha-Stiftung gegründet

Michael Rosentritt

Berlin. Hertha ist keine reiche Erbtante. Das sagte Bernd Schiphorst, der Präsident von Hertha BSC, und lächelte in die Runde. Leere Taschen gehören zu Berlin wie kühne Visionen. Vor einem halben Jahr hatte Schiphorst anlässlich des 110. Vereinsgeburtstages die Gründung einer Stiftung angekündigt. „Die Stiftung steht“, sagte Bernd Schiphorst gestern und lächelte noch mehr. „Mir ist nicht bekannt, dass es in der Bundesliga Vergleichbares gibt.“

Während gestern beispielsweise die Stiftung Stadtmuseum Berlin zu einer Sonderführung durch die Ausstellung über historisches Spielzeug ins Märkische Museum am Köllnischen Park einlud, präsentierte Bernd Schiphorst am Gendarmenmarkt die „Hertha BSC Berlin-Stiftung“ auf einer Gründungspressekonferenz. Wenige Stunden zuvor war die Stiftung von der Justizverwaltung genehmigt worden. Ihren Sitz wird die Geschäftsstelle des Vereins auf dem Gelände des Olympiastadions nehmen. Ausgestattet ist die Stiftung mit einem Startkapital von 50000 Euro, den Vorsitz des Vorstandes übernahm Schiphorst selbst. „Finanzieren soll sich die Stiftung ausschließlich über projektbezogene Spenden“, sagte Bernd Schiphorst. Die Hertha-Kapitalgesellschaft, die sich vom Stammverein getrennt hat, wird durch die Stiftung nicht finanziell belastet. „Das Stammgeschäft soll nicht leiden“, sagte Schiphorst. „Im Gegenteil: Die Stiftung soll eine Bereicherung werden.“

Für das Kuratorium der Stiftung wurde prominenter Beistand gefunden. Es bilden Fernsehmoderatorin und Hertha-Mitglied Sabine Christiansen, IOC-Vizepräsident Thomas Bach, Herthas ehemaliger Nationalspieler Erich Beer sowie der Unternehmensberater Roland Berger und Thomas A. Lange von der Deutschen Bank Berlin, die gleichzeitig die Verwaltung der Hertha-Stiftung übernommen hat.

„Wir wollen die positive Kraft des Fußballs nutzen, um Toleranz und Integration zu stiften“, sagte Schiphorst. „Die Stiftung soll helfen, ausgewählte Jugendprojekte in Sport und Kultur zu initiieren und zu fördern sowie zur Integration ausländischer Jugendlicher beitragen“, heißt es in der Satzung. Zudem wird die Stiftung Stipendien für die Hertha-Fußballakademie vergeben. Dafür müssen noch Vergaberichtlinien erstellt werden.

In der Region Berlin-Brandenburg soll die Stiftung etwa dazu beitragen, „Bolzplätze“ (Schiphorst) zu sanieren und zu betreiben. „Wir wollen so einen Gegenpol zur kommerziellen Seite des Profisports schaffen“, sagte der Stiftungs-Vorsitzende. „Wir wollen das öffentliche Erscheinungsbild des Vereins mit bestimmen und notfalls auch korrigieren.“

Die erste nennenswerte Spende dürfte aller Voraussicht nach aus der Profiabteilung des Vereins kommen. Manager Dieter Hoeneß begeht Anfang Januar des kommenden Jahres seinen 50. Geburtstag. „Er hat mir gesagt, dass er auf Geschenke verzichtet und für die Stiftung sammelt“, sagte Bernd Schiphorst. Schiphorst selbst wird wenige Tage später 60. Auch ein schöner Anlass, oder?

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