Spezialisierung : Marathonläufer: Asphalt statt Bahn

Immer mehr Marathonläufer verzichten auf eine Karriere auf der Bahn – das ist lukrativ, aber gefährlich.

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Schneller Stadtrundgang. Die Spitzengruppe Patrick Makau, Geoffrey Mutai, Bazu Worku (von links) auf dem Kurfürstendamm.
Schneller Stadtrundgang. Die Spitzengruppe Patrick Makau, Geoffrey Mutai, Bazu Worku (von links) auf dem Kurfürstendamm.Foto: dpa

Berlin - Gut, Patrick Makau ist 25 Jahre alt, er ist kein Opa, aber so jung, dass er noch wachsen wird, so jung ist er nun auch nicht mehr. Also konnte man von Madame Makau schon erwarten, dass sie die Sockengröße ihres Gatten kennt. Offenbar nicht, jedenfalls packte sie ihm die falschen ein, zu große, in denen Makau das Gefühl hatte zu schwimmen. 20 Kilometer lang hatte der Kenianer Angst, dass er sich Blasen laufen würde. Am Ende ist es nochmal gut gegangen, Makau gewann den Berlin-Marathon in 2:05:08 Stunden.

25 Jahre sind andererseits ziemlich wenig, jedenfalls für einen, der sich auf Marathon spezialisiert hat. Makau hat sich den klassischen Weg gespart: Erst die Bahn, dann den Asphalt. Haile Gebrselassie etwa hatte erst Olympiagold und WM-Titel über 10 000 Meter gewonnen, bevor er den Marathon dominierte. Andere Weltklasseläufer wurden so ebenfalls zu Marathon-Stars.

Doch Makau ist kein Einzelfall. „Es gibt inzwischen viele Kenianer und Äthiopier, die schon in jungen Jahren gleich Halb- oder komplette Marathonstrecken laufen“, sagt Mark Milde, der Renndirektor des Berlin-Marathons. Der Äthiopier Bazu Worku, Dritter in Berlin, ist erst 20 Jahre alt, Yemane Tsegay (Äthiopien), der Viertplatzierte, ist gerade mal 25, Eliud Kiptanui (Kenia), auf Rang fünf gelandet, 21. Bei den Frauen sieht es nicht viel anders aus, auch da drängen viele afrikanische Talente gleich auf die Straße.

Aus verschiedenen Gründen, sagt Milde. Der brutale interne Konkurrenzkampf gerade in Kenia und Äthiopien ist einer davon. „Es gibt nur wenige Startplätze bei einer WM oder bei Olympischen Spielen, da weichen viele auf die Straße aus.“ Der wichtigere Punkt heißt aber wohl: Geld. „Auf der Straße kann man derzeit mehr verdienen als auf der Bahn“, sagt Milde. Bei Marathons kassieren die guten Läufer auch noch Antrittsgelder, nicht bloß Prämien für Spitzenresultate. Das habe natürlich auch damit zu tun, dass man auf der Bahn pro Jahr vier oder fünf 10 000-Meter-Rennen absolvieren könne, aber auf der Straße nur zwei Marathons. Spitzenläufer erhalten sechsstellige Antrittsgelder.

Auch Makau wird durch seinen Sieg in Berlin teurer, auch wenn er wegen des Regens nicht in Weltrekordnähe gekommen ist. Noch legen die Top-Marathons London und New York bei den Stars, die sie verpflichten, auch Wert auf große Titel, etwa einen Olympiasieg, aber das dürfte sich bald ändern.

Milde sieht aus Sicht des Marketings die neue Entwicklung gar nicht so ungern. „Man hat natürlich Zeit, einen jungen erfolgreichen Läufer aufzubauen. Man kann ihn jedes Jahr verpflichten, dann steigert man seinen Wiedererkennungswert.“ Nicht jeder Afrikaner ist so bekannt und beliebt wie Gebrselassie.

Aus sportlicher Sicht dagegen sieht Milde auch die Risiken der Entwicklung: „Wenn man zu früh so lange Strecken absolviert, besteht natürlich die Gefahr, dass jemand auch relativ bald ausgebrannt ist.“

Und Sabrina Mockenhaupt, die vor ihrem Marathon-Debüt eine lange Laufbahn im Stadion hatte, schüttelt nur den Kopf über ihre jungen Konkurrentinnen. „Ich glaube nicht, dass das für die Mädchen gut ist. Der Körper muss sich langsam an diese Belastungen gewöhnen.“ Für sie tragen auch diverse Manager schuld: „Die scheuchen doch die jungen Mädchen in die Marathons.“

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