Sport : Spezialist besiegt Spezialist

Im Halbfinal-Duell der beiden Pokalexperten gewinnt Schalke nach Elfmeterschießen gegen Bremen

Steffen Hudemann[Gelsenkirchen]

Wenn es tatsächlich so etwas wie Pokalmannschaften geben sollte, also Spezialisten für den nationalen K.o.-Wettbewerb, dann müssen das Werder Bremen und der FC Schalke 04 sein. Von den vergangenen vierzehn DFB-Pokalendspielen haben die beiden fünf gewonnen, drei die Bremer und zwei die Schalker. Und Spiele von besonderer Güte zeigen sie auch regelmäßig im Pokal. So wie gestern Abend, als Schalke das Halbfinale gegen Bremen 5:4 im Elfmeterschießen gewann. Nach 120 Minuten hatte es 2:2 gestanden.

Vielleicht sind die zwei Mannschaften auch deshalb so erfolgreich im Pokal, weil sie die richtige Taktik für diese Disziplin wählen: Abwarten und dann im entscheidenden Moment zuschlagen. In der ersten Halbzeit wollten sich beide vor 61 524 Zuschauern in der ausverkauften Arena Auf Schalke auch nicht zu sehr aus der Deckung herauslocken lassen. Die größte Chance der Bremer dagegen hatte ein Schalker. Niels Oude Kamphuis köpfte in der 14. Minute derart gefährlich aufs eigene Tor, dass Torhüter Frank Rost nur mit einem guten Reflex einen Rückstand verhindern konnte. Nelson Valdez erspielte sich dann in der 39. Minute noch eine gewöhnliche Tormöglichkeit für die Bremer, schoss aber aus zehn Metern am Tor vorbei. Zu einem guten Fußballspiel fehlten in der ersten Halbzeit nicht nur Torszenen, es fehlten vor allem sichere Anspiele. Im Mittelfeld unterliefen beiden Mannschaften reihenweise Fehler.

Dass zu Beginn der zweiten Halbzeit die Zeit zum Druckmachen gekommen sei, dachten die Schalker sofort, als sie aus der Kabine kamen. Zweimal war es Ailton, der die Gelegenheit zum Führungstor hatte. Erst setzte der Brasilianer in der 53. Minute den Ball übers Tor, drei Minuten später tauchte er dann alleine vor Torwart Anderas Reinke auf, der jedoch seinen Schuss noch mit dem Fuß abwehren konnte.

Mit seinem ersten Versuch hatte dafür der Däne Ebbe Sand Erfolg. Lincoln bediente ihn in der 64. Minute, mit dem Ball am Fuß drehte sich Sand im Strafraum und erzielte aus stabiler Seitenlage das 1:0 für Schalke. Das Gegenmittel der Bremer? Wenn es eins gab, dann wirkte es zunächst nicht. Nelson Valdez erschien bei seinen Eintrittsversuchen in die Schalker Gefahrenzone zu umständlich. Als Trainer Thomas Schaaf ihm dann mit Aaron Hand Unterstützung aufs Feld schickte, lief es bei den Bremern besser. Die Schalker Abwehr hatte nun mehr Mühe, und daraus zog ausgerechnet ein Abwehrspieler seinen Nutzen. Valérien Ismael traf in der 84. Minute zum 1:1. Nur zwei Minuten später hatte Valdez sogar die Chance zum 2:1. Einem Treffer von Klasnic in der 90. Minute verweigerte Schiedsrichter Lutz Michael Fröhlich in der letzten Minute die Anerkennung wegen Abseits – zu Unrecht. Aber auch Schalke hätte die Begegnung noch in der regulären Spielezeit entscheiden können, doch Ailton traf nur den Pfosten und Lincoln im Nachschuss nur Torwart Reinke.

Nach der dramatischen Schlussphase der neunzig Minuten war die Verlängerung wie eine Zugabe. Das Spiel ging hin und her, Tim Borowski brachte zunächst Werder in der 94. Minute in Führung, nur zwei Minuten später glich dann Ailton wieder aus. Die Intensität des Spiels wollte am Ende gar nicht mehr abnehmen. Aber nicht die bessere Kondition sollte über das Weiterkommen entscheiden, sondern die bessere Kondition. Auch das Elfmeterschießen hatte dann seine ganz eigenen Geschichten. Schalke schien schon gewonnen zu haben, weil Stalteri verschoss und auch Borowski, ausgerechnet Borowski, der im vergangenen Pokalfinale zwei Tore für die Bremer erzielt hatte. Doch dann schoss Oude Kamphuis neben das Tor und Ailton an die Latte. Gerade Fabian Ernst rutschte anschließend aus, der in der nächsten Saison von Bremen nach Gelsenkirchen wechselt. Rost hielt seinen Schuss und wollte den letzten selber machen. Er traf und nimmt seine Mannschaft Schalke 04 mit ins Finale nach Berlin.

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