Sport : Spiel mit der Diktatur

Neuseelands Kricketteam hat ein Problem: Die Regierung rät von einem Auftritt in Simbabwe ab, der Weltverband drängt auf Vertragserfüllung

Duncan Heath

Berlin - Heath Mills befindet sich in einer wenig beneidenswerten Situation. „Wir haben keine Wahl. Wir haben einen Vertrag, den wir nicht brechen dürfen“, erzählt er. Mills ist Vorsitzender des neuseeländischen Kricketspielerbundes, und in dieser Funktion hat er folgendes ausgehandelt: Neuseelands Team verpflichtet sich, in Simbabwe zu einer Kricket-Tournee anzutreten. Das Problem ist, dass die neuseeländische Regierung den Vertrag vehement ablehnt.

Mitglieder der politischen Führung Neuseelands bezeichnen das Regime von Robert Mugabe inzwischen offiziell als Diktatur, in der die Regierung ihre eigene Bevölkerung ausbeutet. Schon im April hat Neuseelands Premierministerin Helen Clark ihre Meinung im Radio kundgetan: „Keine zehn Pferde würden mich nach Simbabwe bringen. Das Land hat einen Wahlkampf abgehalten, den kein vernünftiger Mensch als frei oder fair bezeichnen würde.“ Die Uno schätzt, dass vier Millionen Menschen in Simbabwe, mehr als ein Drittel der Bevölkerung, vor dem Verhungern stehen und jede Woche bis zu 4000 Menschen an Unterernährung und Aids sterben.

Nun setzt die Regierung ihre Kricketmannschaft unter Druck, die Reise nach Simbabwe abzusagen. „Die entsetzlichen Verletzungen der Menschenrechte in Simbabwe dürfen nicht unbeachtet bleiben“, erklärte Neuseelands Außenminister Phil Goff in einem Brief an den Kricket-Weltverband ICC. „Es ist äußerst schwer zu rechtfertigen, dass Kricketspiele stattfinden sollen, wenn nur wenige Kilometer entfernt Menschen sterben.“ Unterstützung erhält Goff von Morgan Tsvangirai. „Wir unterstützen keine internationalen Spiele in Simbabwe, weil Mugabe sie ausnutzen würde, um seine eigene Position zu stärken“, sagt der Premier der Oppositionspartei in Simbabwe. Das ICC erkennt aber keine politischen oder moralischen Gründe an, um ein Länderspiel-Turnier abzusagen – es bestreitet eine Verbindung zwischen Sport und Politik. Heath Mills bringt Verständnis für diesen Standpunkt auf: „Das ICC tut nichts Ungewöhnliches. Wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft aus irgendeinem Grund in Simbabwe spielen müsste, dann könnte sie das Spiel auch nicht einfach absagen.“

Außerdem will das ICC offenbar keinen Präzedenzfall schaffen. Schließlich hätten Mannschaften auch nichts dagegen, in Pakistan zu spielen, auch wenn da eine Militärdiktatur herrscht. Es gebe nicht einmal einen internationalen Boykott gegen Simbabwe.

Zwei Millionen Dollar Strafe droht das ICC dem neuseeländischen Kricketspielerbund an, falls die Tournee doch abgesagt würde. „Das wäre ein immenser finanzieller Schaden“, sagt Mills. „Kricket in Neuseeland könnte als professionelle Sportart nicht mehr überleben.“

Es könnte aber einen Ausweg geben. Nach den Regeln des ICC gibt es zwei Situationen, die eine Tournee-Absage erlauben: Sicherheitsgründe, oder wenn eine Regierung einer Mannschaft eine Tournee verbietet. Die neuseeländische Führung hat zwar zu verstehen gegeben, dass sie die Spieler von Simbabwe nicht mit Visa ausstatten wird, wenn sie im Dezember wie geplant zum Rückspiel nach Neuseeland kommen. Jedoch weigert sie sich, den ultimativen Schritt zu vollziehen und die Reise nach Simbabwe zu verbieten. Die Kricketspieler wiederum wollen die Entscheidung nicht auf sich abgewälzt wissen. „Dafür sind doch Regierungen da“, sagt Mills. Wenn die Regierung von Neuseeland aber keine Entscheidung trifft, dann bleiben Heath Mills und den neuseeländischen Kricketspielern die Hände gebunden. Die Tournee wird stattfinden müssen.

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