Sport : Spiel ohne Denken

Die Eisbären reden vor ihrer dritten Finalserie um die deutsche Eishockey-Meisterschaft nicht vom Titel

Claus Vetter

Berlin - An seine erste wichtige Begegnung mit den Eisbären erinnert sich Stéphane Richer nicht so gern. Der Kanadier hat schon einmal mit den Mannheimer Adlern ein Finale gegen die Berliner bestritten. Damals, 1998, musste er die Serie um die deutsche Eishockeymeisterschaft größtenteils von der Spielerbank aus verfolgen. Unfreiwillig. Im zweiten Spiel brach sich Richer nach einem Check des Berliners Chris Govedaris die Schulter. „Der Check war fair, aber das Zuschauen danach war schon frustrierend“, erinnert sich Richer. Sieben Jahre später nun sieht er wieder Finalspiele zwischen Mannheim und Berlin von der Bank aus. Diesmal freiwillig, als Coach der Adler, die heute zum Auftakt der Serie „Best of five“ im Sportforum antreten (19.30 Uhr). Für Richer ist das „wie ein Traum“. Im Dezember vergangenen Jahres wurde er nach der Demission von Helmut de Raaf vom Ko- zum Cheftrainer befördert. Mit ihm kam der Erfolg zurück zu den Adlern. „Weil die Jungs in der Kabine zusammengerückt sind“, wie Richer sagt. Egoismen gäbe es nicht mehr. „Wir treten als Team auf.“

Einer der Männer hinter der Mannheimer Bank ist also derselbe. Damit sind die Parallelen mit der diesjährigen Serie mit der von 1998 fast erschöpft. Das Niveau in der Deutsche Eishockey-Liga (DEL) ist gestiegen und die Eisbären gelten diesmal nicht wie damals als klarer Favorit. Was nichts heißen muss, wie ihr Trainer Pierre Pagé findet. „Mannheim hat in den Play-offs besser gespielt als in der Hauptrunde, wir sind besser als letztes Jahr.“ Punkt. Kein Wort von der Meisterschaft. „Ich habe den Spielern gesagt, sie sollen nur an die ersten 20 Spielminuten des ersten Spieles denken und nicht weiter.“ Natürlich denken im Klub viele gern weiter. Es ist für die Eisbären nach 1998 und dem Vorjahr die dritte Finalteilnahme. Stürmer Stefan Ustorf versteht, dass die Fans mehr wollen als den zweiten Platz. „Die Mannschaft spielt seit Jahren oben mit, da will der Verein auch mal ein großes Erfolgserlebnis haben.“

Allerdings ist der Erfolg nur bedingt planbar, eben indem die Schwachstellen des Gegners genutzt werden, wobei es davon bei den Adlern nicht viele gibt. Sie sind im Sturm mit der Reihe Devin Edgerton, René Corbet und Jochen Hecht blendend besetzt. Berlins Kapitän Steve Walker warnt vor dem Trio: „Die statistischen Werte der drei sind ziemlich beeindruckend. Allerdings sind die Werte der anderen Sturmreihen nicht beeindruckend.“ Und noch etwas spreche für die Eisbären, sagt Walker: „Bei uns kann auch ein Verteidiger das Spiel mit einem Tor entscheiden, so etwas habe ich bei Mannheim selten gesehen.“ Von 35 Toren in den Play-offs gingen in Mannheim 21 auf das Konto von Hecht und Co., nur drei Treffer wurden von Verteidigern erzielt – einer weniger als bei den Eisbären allein Derrick Walser in der Endrunde geschossen hat. „Wir haben eben defensiv ausgerichtete Verteidiger“, sagt Richer. „Aber das muss gegen die offensiven Eisbären kein Nachteil sein.“

Bei der Torhüterposition scheinen die Adler leicht im Vorteil zu sein, der Franzose Cristobal Huet hielt zuletzt herausragend. Aber auch Oliver Jonas zeigte nach dem Ausfall von Olaf Kölzig ansteigende Form. Und eine Stärke der Berliner ist immer noch ihre Ausgeglichenheit. „Wir haben in den Play-offs schon ohne Kölzig, Fairchild, Leask und Cole gespielt und sind ins Finale gekommen“, sagt Trainer Pagé. Denn wenn sich bei den Eisbären ein Spieler verletzt oder auch gesperrt ist – wie heute Verteidiger Micki Dupont – lässt sich das kompensieren. Anders sieht das in Mannheim aus, wo sich das Spiel auf die Stars konzentriert. Allerdings hat auch der Rekordmeister der DEL schon in der Vergangenheit in Finalserien mit Ausfällen leben können. So wie 1998, als Mannheim trotz des verletzten Stéphane Richer in vier Spielen gegen die Eisbären Meister wurden.

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