Sport : Spiel ohne Risiko

Bundestrainer Zach hat bei der Eishockey-WM Fehler gemacht

Claus Vetter

Prag. Da standen sie nun, die deutschen Eishockey-Nationalspieler in den unwirtlichen Kellergängen der Sazka-Arena von Prag. Verschwitzt und enttäuscht. Ihnen wurde schmerzlich bewusst, dass sie bei der Eishockey-WM nichts mehr zu suchen hatten. Mit dem 0:1 im letzten Spiel der Zwischenrunde gegen die Schweiz hatten sie die Rückreise nach Deutschland gebucht. Nun spielen die Schweizer am Donnerstag im WM-Viertelfinale gegen die Slowakei.

Im Moment der Niederlage war Kritik verpönt. Jan Benda zum Beispiel schüttelte den Kopf. Nach dem Motto: Schuld waren die anderen. „Wir haben uns in diesem Turnier schwer getan mit guten Gegnern, aber die nehmen uns nach den Erfolgen der vergangenen Jahre jetzt eben ernster als früher.“

Aber war die Schweiz wirklich ein guter Gegner? Die Frage kann nach dem 1:0-Sieg der bieder agierenden Schweizer nicht mit ja beantwortet werden. Das Erstaunliche an der Leistung der Deutschen war, dass sie von den Schweizern mit ihrer eigener Taktik geschlagen wurden. Die Taktik war das Ergebnis stundenlangen Videostudiums von Spielen der Deutschen, erzählte der Schweizer Kotrainer Peter John Lee später. Die Schweizer spielten ausschließlich defensiv und warteten auf Fehler des Gegners.

Eishockey-Bundestrainer Hans Zach hatte vorher von der Hoffnung geplaudert, „am Ende mal wieder die Nase vorn zu haben“. Doch Zachs Hoffnungen waren schon im ganzen Turnier unerfüllt geblieben. Seine Mannschaft hatte hohe Niederlagen gegen Tschechien (1:5) und Kanada (1:6) kassiert.

Das defensiv ausgerichtete deutsche Spielsystem überrascht keinen Gegner mehr. Hinzu kommen Schwächen im Überzahlspiel. Fragwürdig sind auch die Nominierungskriterien des Bundestrainers. Natürlich, Spieler wie die in Nordamerika beschäftigten offensivstarken Verteidiger Seidenberg und Ehrhoff oder Stürmer Marco Sturm, der deutsche Star aus der nordamerikanischen Profiliga NHL, standen Zach in Prag nicht zur Verfügung. Trotzdem: Talentierte Spieler wie den Berliner Stürmer Alexander Barta oder den Nürnberger Verteidiger Felix Petermann hatte Zach daheim gelassen, offensivstarke Verteidiger wie Lasse Kopitz (Nürnberg) oder Florian Keller (Berlin), erst gar nicht in Erwägung gezogen.

Dafür hat der Bundestrainer auf die ihm gesonnenen, teils kantigen Burschen zurückgegriffen und wieder einmal von „Kampfgeist und harter Arbeit“ bei seiner Mannschaft geredet. Das Spiel ohne Risiko wurde mit Platz neun belohnt. „Bitter ist das nicht“, findet Zach. Gut allerdings auch nicht.

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