Sport : Spiel ohne zwei

Als Konsequenz aus der sportlichen Krise entlässt Wolfsburg Trainer Holger Fach und Manager Thomas Strunz

Steffen Hudemann[Wolfsburg]

Am Samstag hatte die Krise des VfL Wolfsburg einen neuen Tiefpunkt erreicht. Erst verlor die Mannschaft nach einer katastrophalen Vorstellung beim Tabellenletzten in Kaiserslautern 2:3, dann drangen neue Ungeheuerlichkeiten an die Öffentlichkeit. Mittelfeldspieler Miroslav Karhan, den Holger Fach nicht in der Startelf berücksichtigt hatte, soll sich während des Spiels geweigert haben, mit dem Warmlaufen zu beginnen. Karhan bestreitet das. Er will nur darauf hingewiesen haben, dass er bereits warm sei. Eigentlich ist Karhan keiner, dem man bisher zu laschen Einsatz vorwerfen konnte. Manager Thomas Strunz kündigte dennoch umgehend Konsequenzen an. „In dieser Form kann es nicht weitergehen“, sagte er am Samstag.

Zu diesem Schluss kam gestern auch der Aufsichtsrat der VfL Wolfsburg Fußball GmbH, die zu 90 Prozent dem VW-Konzern gehört. In einer Aufsichtsratssitzung fiel die Entscheidung, dass nicht nur Trainer Holger Fach gehen muss, sondern Manager Thomas Strunz gleich mit. Fach wurde nach Angaben des Klubs mit sofortiger Wirkung freigestellt, mit Strunz sei eine „einvernehmliche Aufhebung des Dienstvertrages“ vereinbart worden. Für die Entscheidung seien sportliche Gründe ausschlaggebend gewesen. Wann ein neuer Trainer verpflichtet wird oder ob zunächst ein neuer Manager kommt, der an der Trainersuche beteiligt wird, ist noch unklar.

Die neuen Verantwortlichen erwartet keine leichte Aufgabe. Nach acht Spielen ohne Sieg ist der VfL zum Ende der Hinrunde auf den 13. Platz der Bundesliga abgerutscht, nur noch sechs Punkte von den Abstiegsrängen entfernt. Neben der sportlichen Schieflage waren auch im Umfeld Risse zutage getreten. Besonders zwischen Mannschaft und sportlicher Führung stimmte es nicht mehr. Ein Spieler wurde nach der Begegnung am Samstag mit den Worten zitiert: „Wir haben nur ein Problem, das ist der Manager.“ Der Vorfall um Miroslav Karhan war dabei nur der letzte in einer Reihe von Auffälligkeiten. Strunz wirkte im Umgang mit seinen Profis wenig souverän – dafür hatte er stets schnell Sanktionen parat.

So erhielten Maik Franz, Pablo Thiam und Mike Hanke vor drei Wochen nach einem ausgiebigen Diskobesuch eine Geldstrafe. Dass Strunz dabei das „Partyleben“ der Spieler öffentlich anprangerte, hat in der Mannschaft für Unmut gesorgt. Dann wurde Jungprofi Matthias Langkamp abgemahnt, weil er sich geweigert hatte, im Oberliga-Team des VfL anzutreten. Und schließlich suspendierte die sportliche Führung den Reservespieler Mirko Hrgovic, weil er in einem Interview gesagt hatte, er habe „keinen Bock mehr“. Hinzu kam, dass Fach und Strunz gegenüber der Öffentlichkeit keinerlei Fehler eingestanden. Während Fach auf kritische Fragen stets patzig bis beleidigt reagierte, tat Strunz so, als gebe es keinen Grund zur Sorge. Noch vor zwei Wochen sagte er dem Tagesspiegel: „Mir ist es lieber, wir sind nach dem 15. Spieltag Zehnter und am Ende Dritter als umgekehrt.“ Von einer Krise wollte der Manager nichts wissen. „Die angebliche Krise, über die in der Öffentlichkeit geredet wird, spielt sich auf gehobenem Niveau ab“, sagte er.

Diesen Durchhalteparolen glaubte der Klub nun offenbar nicht mehr. Dass der VfL Wolfsburg sich dabei zum radikalen Schnitt entschied, ist konsequent. Denn als Manager war Strunz, der erst am 1. Januar 2005 seinen Dienst angetreten hatte, für die misslungene Zusammenstellung des Kaders und die Einstellung des erfolglosen Holger Fach verantwortlich. Einen von beiden weiter zu beschäftigen, hätte das Problem nicht gelöst. Mit seiner Entscheidung liegt der VfL Wolfsburg im Trend. In der Bundesliga wird die Schuld für sportliche Misserfolge nicht mehr nur bei den Trainern gesucht. Auch die für die Personalplanung und sportliche Entwicklung zuständigen Manager oder Sportdirektoren werden nunmehr in die Verantwortung genommen.

Am Wochenende war beim 1. FC Köln zunächst Manager Andreas Rettig zurückgetreten, bevor der Klub Trainer Uwe Rapolder entließ. Möglicherweise war dies das Vorbild für Wolfsburg. Mit den Beurlaubungen von Rapolder und Fach hat die Bundesliga nach dem letzten Hinrunden-Spieltag eine neue Bestmarke erlebt. Acht Trainerwechsel in einer Hinrunde hat es seit Gründung der Liga 1963 noch nie gegeben.

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