Sport : Spiel ruhig mit den Schmuddelkindern

Kult trifft Kult an der Reeperbahn: St. Pauli empfängt Union

Karsten Doneck

Berlin. Das Hotel Stern liegt für Fußballfans strategisch günstig direkt an der Reeperbahn. Nur etwas mehr als einen Katzensprung entfernt liegt das Stadion am Millerntor. Wer sich aber heute kurzfristig entschließt, im Hotel Stern zu übernachten, wird vergebens um ein Zimmer bitten. Das Haus ist ausgebucht. Rund 500 Fans des Zweitligisten 1. FC Union bereiten sich dort auf ihren stimmkräftigen Einsatz auf den Rängen morgen beim Zweitligaspiel gegen den FC St. Pauli vor. Insgesamt rund 5000 Anhänger begleiten Union zu dieser Partie, „Vereinsrekord“, wie Heiner Bertram mutmaßt. Der Union-Präsident erinnert sich, dass „mal zu einem Spiel in Jena rund 4500 Fans mitgereist sind, aber das, was jetzt passiert, gibt’s in der Zweiten Liga sonst kaum noch“.

Der FC St. Pauli und das Millerntor – das ist Kult in der Fußballszene. „Es gibt so ein paar Highlights, da hast du als Fan früher immer nur geträumt von. Dazu zählt ein Spiel auf St. Pauli. Dieses Stadion dort, die Fanszene – da wollten wir doch immer schon mal hin“, sagt André Rolle, Unions Stadionsprecher und leidenschaftlicher Fan des 1. FC Union. 3400 Karten hat Union für seinen Anhang beim FC St. Pauli geordert, „das Höchstkontingent“, wie Unions Pressesprecher Lars Töffling sagt. Die Karten waren schnell vergriffen, „keine Woche hat das gedauert“, sagt Töffling. Fans sind jedoch erfinderisch. Schon im Oktober deckten sie sich über Online-Bestellungen mit Karten ein. Bald fiel dem FC St. Pauli auf, wie viele Tickets da nach Berlin verschickt werden mussten. Der Klub stoppte den Karten-Export. Die Fans zapften andere Quellen an, bestellten munter weiter – über in Hamburg wohnende Freunde und Bekannte. Der Nebeneffekt: Mitten im St. Pauli-Fanblock werden nun etliche Union-Anhänger stehen. Ein Sicherheitsrisiko? André Rolle sieht es gelassener. „Was soll’s? Ist doch nur Fußball. Also wenn St. Pauli ein Tor schießt, dann jubeln die eben, und wenn wir ein Tor schießen, jubeln wir“, sagt er. So einfach ist das.

Das Hinspiel in der Alten Försterei ging nahezu friedlich vonstatten. „St. Pauli hatte ja stets Probleme, wenn die im Osten gespielt haben. Da hieß es: Die linken Zecken kommen, die sind schmuddelig und so. Aber wir haben denen vor dem Spiel bei uns klargemacht, dass sie solche Sachen nicht erwarten“, sagt André Rolle. Präsident Bertram verspricht sich von dem Aufeinandertreffen dieser beiden Fangruppen auch jetzt ein nettes Fest. „Das ist Fußball, wie wir ihn wünschen: stimmungsvoll, witzig, kultig und ohne Gewalt – ein beeindruckender Rahmen.“

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