Sport : Spiel, Satz und Prämie

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Michael Rosentritt über das neue Leistungsprinzip im deutschen Tennis

Es atmet wieder, das deutsche Tennis. Lange lag es im Koma. Quälende Finanzsorgen, keine nennenswerten Erfolge und das fortwährende Gerangel innerhalb des DaviscupTeams hatten den Kopf einer renommierten Sportart unter Wasser gedrückt. Nun gab der Deutsche Tennis-Bund (DTB) ein Lebenszeichen von sich. Die Daviscup-Verträge sollen neu gestaltet werden. Die Vorschläge finden Zustimmung bei den Spielern Haas, Schüttler und Kiefer. Der Entwurf sieht vor, sämtliche Gewinne im Verhältnis 50:50 zwischen dem Verband und den Spielern aufzuteilen. Und: Die Summe X, die auf die Mannschaft entfällt, sollen gefälligst die Spieler untereinander teilen.

Der DTB führt ein Leistungsprinzip ein. Die Spieler können nur das unter sich aufteilen, was sie erspielen. Das kann viel sein, aber auch sehr wenig. Da es bislang weder Sponsoren für das Daviscup-Team noch einen Fernsehvertrag gibt, gibt es noch keine aufteilbaren Gewinne. Zwar behebt der DTB dadurch nicht seine latente Zahlungsunfähigkeit, aber er nimmt die Spieler wieder in die Verantwortung. Zudem verlagert er die Neiderei und Eifersüchteleien auf die Seite der Aktiven. Vielleicht führt das ja auch alles dazu, dass jeder sich auf seine Arbeit konzentriert – die Spieler aufs Spielen und die Funktionäre aufs Funktionieren. Dem deutschen Daviscup-Team könnte Schlimmeres passieren. Denn dieser Wettbewerb ist hierzulande längst keine Hausnummer mehr, geschweige denn ein Selbstläufer.

Doch so schön sich der Kompromiss anfühlen mag: Der DTB macht zeitgleich die Erfahrung, wie frisch die Vergangenheit ist. Michael Stich will ausstehende Prämien aus dem Daviscup einklagen. Es geht um 10 000 Euro für das Abstiegsspiel gegen Venezuela im September. Der ehemalige Daviscup-Kapitän war vor diesem Spiel vom DTB-Präsidenten entlassen worden, nachdem Stich das Präsidium und Teile des Teams kritisiert hatte. Ein außergerichtliches Angebot durch den Verband lehnte Stich ab.

Das deutsche Tennis atmet wieder, über welche Kondition es verfügt, wird sich zeigen.

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