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Spielabbruch in Kreisliga C in Berlin : Fair-Play-Aktion womöglich Auslöser für Massenschlägerei

Beim Kreisligaspiel Makkabi III gegen Meteor III in Westend flogen die Fäuste und laut manchen Spielern auch antiarabische und antimuslimische Beleidigungen. Auslöser war offenbar das Fair Play eines Spielers.

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Die Polizei nahm die mutmaßliche Entführerin in Hannover fest.
Die Polizei nahm die mutmaßliche Entführerin in Hannover fest.Foto: dpa/Archiv

Spielabbruch in der Kreisliga C: Beim Spiel der dritten Mannschaft des TuS Makkabi gegen die dritte Mannschaft des Weddinger BFC Meteor auf dem Platz in der Harbigstraße in Westend kam es offenbar zu einer Massenschlägerei. Wie die Polizei mitteilte, waren gegen 15 Uhr zunächst ein 21 Jahre alter Spieler und ein 25-jähriger Zuschauer aneinandergeraten. In die folgenden Handgreiflichkeiten mischten sich Spieler beider Mannschaften ein, zwei Menschen wurden leicht verletzt. Laut Polizei flogen sowohl antisemitische als auch antiarabische Beleidigungen.

Polizeibeamte griffen ein, stellten insgesamt die Identitäten von 21 Personen fest und leiteten vier Strafermittlungsverfahren wegen Körperverletzung, Beleidigung und Landfriedensbruchs ein. Wie genau es zu der Prügelei kam, ermittelt die Polizei noch. Nach Angaben eines Sprechers gebe es sehr viele Zeugen, die teils widersprüchlichen Aussagen machten.

"Das war kein Duell zwischen Juden und Arabern"

Leonard Kaminski stand als linker Verteidiger im Team von Makkabi auf dem Platz. Für ihn ist am Sonntag eine ursprünglich normale Spielsituation völlig aus dem Ruder gelaufen und eskaliert. Allerdings habe dieser Streit ursprünglich  keinen religiösen oder ethnischen Hintergrund gehabt. „Das war kein Duell zwischen Juden und Arabern, die aus religiösen oder ethnischen Gründen aneinander geraten sind“, sagte er dem Tagesspiegel. Erst im Verlauf des Streits sei dieser Faktor aufgetaucht, allerdings nur auf Seiten von Meteor. „Wir wurden von Meteor antisemitisch beschimpft. Wir selber haben keine antiarabischen Sprüche gerufen. Ich habe auf jeden Fall keine gehört. Das würde auch nicht zu unserem Team passen.“

Peter Dähn dagegen, der Vorsitzende von Meteor 06, schob die Schuld für die Eskalation auf Makkabi. Dähn war nicht vor Ort, hatte sich aber im Nachhinein bei Spielern und Trainern einen  ersten Überblick verschafft. „Unsere Spieler wurden als ,Kanake‘ und als ,Drecksmuslim‘ beschimpft. Die ganze Aggression ging von Makkabi aus. Außerdem fiel der Satz ,Ich ficke Deine Mutter‘“, sagte Dähn.

Auslöser war offenbar eine Fair Play-Aktion

Nach Darstellung von Kaminski begann die Auseinandersetzung mit einer Banalität. Ein Spieler von Meteor habe am Boden gelegen, als Makkabi im Angriff gewesen sei. Ein Makkabi-Spieler habe den Ball freiwillig ins Aus gespielt. Meteor habe dann, wie es üblich ist, den Ball zu Makkabi zurückgespielt. Allerdings nicht zum Torwart, sondern knapp neben die Eckfahne ins Aus. Ein Makkabi-Fan habe daraufhin gesagt: „Fair war das aber nicht.“ Daraufhin sei ein Spieler von Meteor auf diesen Zuschauer los gesprintet und hätte ihn wüst antisemitisch beschimpft.

Die Folge sei eine Spielertraube gewesen, in der auf beiden Seiten Beleidigungen ausgestoßen wurden. Allerdings habe es von Meteor-Seite aus antisemitische Beschimpfungen gegeben, während Makkabi lediglich Schimpfworte wie „Arschloch“ verwendet habe. „Unsere Spieler sind sicherlich nicht lammfromm“, sagte Kaminski, „aber wir haben gegnerische Spieler bestimmt nicht anti-arabisch beschimpft.“ Das wäre ja auch ziemlich unsinnig gewesen, weil bei Meteor fast nur türkische oder türkisch-stämmige Spieler mitgewirkt hätten.

Beim Stand von 1:0 für Makkabi brach der Schiedsrichter dann in der 60. Minute das Spiel ab. Nach Kaminskis Darstellung tauchte kurz darauf die Polizei auf. Makkabi habe sich dann 55 Minuten in der Kabine aufgehalten, bevor das Team den Platz verlassen habe. Meteor wies dagegen gestern Vormittag jede Schuld am Ausbruch der Eskalation zurück.

Sind alle Spieler einer Mannschaft beteiligt, droht Ausschluss

Gerd Liesegang, Vizepräsident des Berliner Fußballverbands, sagte dem Tagesspiegel: "Ich befürchte nicht, dass dies der Auftakt zu einer gewalttätigen Saison war. Leider passieren solche Vorfälle immer wieder. Zu dem Spiel selber kann ich noch nichts sagen, wir müssen den Bericht des Schiedsrichters abwarten. Sollten sich alle Spieler einer Mannschaft an den Ausschreitungen beteiligt haben, kann die Mannschaft vom Spielbetrieb ausgeschlossen werden. Das muss aber der Bericht des Schiedsrichters ergeben.  Sollten nur einzelne Spieler aufgefallen sein, werden sie persönlich bestraft."     

Beide Vereine gelten als unauffällig

TuS Makkabi ist ein jüdischer Verein aus dem Berliner Südwesten. Die Spieler sind häufiger Ziel von antisemitischen Anfeindungen, wie der sportliche Leiter Claudio Offenberg im Tagesspiegel-Interview berichtet. Liesegang sagt: "Bisher ist Meteor als Verein nicht besonders durch gewalttätige Vorfälle aufgefallen. Auch TuS Makkabi nicht, das ist kein Verein, um den man sich bei diesem Thema Sorgen machen muss."

Unabhängig davon ist Gewalt schon seit längerer Zeit ein Thema im Berliner Amateurfußball. Im letzten Jahr gab es im Jugend- und Amateurbereich 79 Spielabbrüche.

Übrigens soll schon am kommenden Samstag, 5. September, ein Solidaritätsfußballturnier in Berlin stattfinden: Flüchtlinge, Pfarrer und Imame spielen gemeinsam Fußball. Den Schiedsrichter stellt TuS Makkabi.

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