Spielabbruch in Mügeln : 80 Minuten rechtsradikale Parolen

Nach 80 Minuten hatte der Schiedsrichter des Bezirksklasse-Spiels des alternativen Klubs Roter Stern Leipzig beim SV Mügeln/Ablaß genug gehört: Er brach die Partie beim Stand von 2:0 für die Gastgeber ab. Jetzt ermittelt die Polizei.

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Berlin - „Zecken vergasen“ soll die rund 50 Mann starke Zuschauergruppe gerufen haben. Und „ein Baum, ein Strick, ein Judengenick“ sowie andere rechtsradikale Parolen. Nach 80 Minuten hatte der Schiedsrichter des Bezirksklasse-Spiels des alternativen Klubs Roter Stern Leipzig (RSL) beim SV Mügeln/Ablaß am Sonnabend genug gehört: Er brach die Partie beim Stand von 2:0 für die Gastgeber ab. Die Polizei ermittelt gegen mehrere Zuschauer wegen des Verwendens von verfassungsfeindlichen Symbolen und des Verdachts auf Volksverhetzung sowie gegen einen Roter-Stern-Anhänger wegen Körperverletzung. Festnahmen gab es zunächst keine. Bereits im Oktober war ein RSL-Spiel im sächsischen Brandis abgebrochen worden, weil Rechtsradikale den linken Verein angegriffen hatten.

„Schon bei der Anfahrt sind unsere Fans in Mügeln mit dem Hitlergruß begrüßt worden“, sagt eine Sprecherin von Roter Stern. „Es ging gleich los.“ Mügelns Bürgermeister Gotthard Deuse, der gleichzeitig Vorsitzender des SV Mügeln/Ablaß ist, widerspricht dieser Darstellung. „Ich war nur die erste Viertelstunde beim Spiel“, sagt Deuse. „Da gab es keine Zwischenfälle.“ Der Verein distanzierte sich in einer Mitteilung „von jeglicher politischer Haltung“ und stellte klar, „dass die anwesende rechte Gruppierung keine Anhänger oder gar Fans“ des Vereins seien. Leider hätten „beide politisch motivierte Gruppen“ dafür gesorgt, dass die Partie keinen ruhigen Verlauf genommen habe.

Bereits in der ersten Hälfte war das Spiel unterbrochen worden, nachdem Polizisten und RSL-Fans aneinandergeraten waren. Laut Polizei wollten die Beamten die Personalien eines Zeugen feststellen, der die Polizisten zuvor auf den Hitlergruß eines Zuschauers aufmerksam gemacht hatte. Beim Versuch, den Zeugen zu befragen, seien die Beamten attackiert worden. „Es kann sein, dass es ein Missverständnis gab“, räumt ein Sprecher der Polizeidirektion Westsachsen ein. Laut Roter Stern sind die Polizisten „unkontrolliert und gewaltsam“ auf die Fans losgegangen. Es ist nicht das erste Mal, dass Mügeln wegen fremdenfeindlicher Vorkommnisse Schlagzeilen macht. 2007 hatten Rechtsradikale mehrere Inder durch den Ort gehetzt.

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