Sport : Spiele der Herzen

Paralympics machen Werbung für Behindertensport

Annette Kögel

Athen - Wojtek Czyz war nicht dabei. Der deutsche Behindertensportler, der bei den Paralympics drei Goldmedaillen gewonnen hatte, musste am Mittwoch direkt von Athen nach Hamburg fliegen. Dort wartete schon TV-Moderator Johannes B. Kerner auf ihn. Die Einladung in die ZDF-Show ist ein Indiz dafür, wie viel Aufmerksamkeit die versehrten Athleten nach den Spielen in Athen genießen. Czyzs Kollegen wurden derweil von einigen hundert Fans am Frankfurter Flughafen empfangen.

Nur wenige Stunden zuvor hatten Scheinwerfer das mit 60 000 Zuschauern gefüllte Olympiastadion zum Abschluss in ein rotes Licht getaucht. Es war ein Gruß an Peking, dem Austragungsort der nächsten Paralympischen Spiele 2008. Die Abschlussfeier war ein würdiger Abschied für die 3969 Sportler aus 136 Nationen. Mehr als 850 000 Zuschauer haben 304 Weltrekorde erlebt. Das waren mehr Zuschauer als erwartet, und es waren mehr Rekorde als in Sydney. Nur die bekannt gewordenen Doping-Fälle und das Busunglück am vorletzten Tag trübten die Abschlusszeremonie.

Doch es bleibt mehr in Erinnerung. Sportler, wie die 14-jährige, beinamputierte Leichtathletin Marina Karim aus Afghanistan, die nach ihrem Ausscheiden herzzerreißend weinte. Der Deutsche Rainer Schmidt, der ohne Arme und mit verkürztem Bein Tischtennis-Mannschaftsgold holte und danach Tränen vergoss. Auch die Fußballzaubereien des blinden Brasilianers Joao Silva gehörten zu den fröhlichen Momenten.

Am späten Dienstagabend gedachte der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, Phil Craven, den Verstorbenen des Busunglücks und dankte danach den Griechen, die „den Behindertensport in ihre Herzen geschlossen haben“. Die wollen ihre Stadt weiter verändern: Mehr als 1300 Geschäfte und Firmen sind bereits behindertengerecht umgebaut worden.

In Frankfurt am Main freute sich Sportschützin Manuela Schmermund am Mittwoch über „so viel Auflauf“. Und der Behindertensportverband (DBS) darf nach Angaben des für Sport zuständigen Bundesinnenministeriums auch weiter auf finanzielle Unterstützung hoffen. Karl Quade, Chef de Mission der Deutschen, hatte zuletzt „leichte Kürzungen“ beklagt, auch DBS-Sprecher Arno Schade hatte öffentlich von einer Reduzierung der Mittel gesprochen. Doch beim Innenministerium heißt es, die Förderung bleibe „auf hohem Niveau“. Vier Millionen Euro wurden demnach 2004 ausgegeben, im nächsten Jahr sollen es 4,025 Millionen sein.

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