Sport : Spiele mit Respekt

Bei den Respect Gaymes wird für mehr Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben geworben

Annette Kögel

Berlin - „Du schwule Sau, du hast den Ball vergeben!“ Derartiges bekommt man nicht nur bei Fußballspielen allwöchentlich zu hören. Dass die sexuelle Orientierung zum Synonym für ein Schimpfwort geworden ist, dass Profisportler es wegen erwarteter negativer Resonanz immer noch nicht wagen, sich zu outen – all das sind Hintergründe der „Berlin Respect Gaymes“. Mit dieser Sportveranstaltung wirbt der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) am 9. Juni den ganzen Tag über im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark für mehr Toleranz auch in Hallen und auf Plätzen. Prominente Botschafter sind wie schon vergangenes Jahr Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sowie Box-Champion Oktay Urkal und Fußball-Nationalspielerin Navina Omilade.

„Diesmal wird alles noch größer, noch vielseitiger als vergangenes Jahr“, sagt LSVD-Geschäftsführer Alexander Zinn. Die Turniere und Workshops starten um 10 Uhr, es können sich noch Mannschaften für Fußball, Streetball und Kampfsport anmelden. Mit dabei sind etwa die Hertha-„Junxx“, auch die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus lässt eine Mannschaft auflaufen, der Verein Türkiyemspor ist wieder dabei. Workshops können junge Besucher etwa im Boxen, Rappen, Breakdance, Graffiti und Streetdance belegen. Auf der Bühne wollen bei freiem Eintritt die Rapperin Pyranja und der Hip-Hopper QBoy, aber auch die Künstler Désirée Nick, Gabi Decker, Olivia Jones und Ades Zabel auftreten.

Die „Respect Gaymes“ gehören zu einem Freizeitsport- und Bildungspaket, das die Stiftung Deutsche Klassenlotterie bis zu diesem Sommer über drei Jahre mit 300 000 Euro fördert. Finanziert wurden Workshops etwa in Schulen und Jugendfreizeitheimen zum Thema Homosexualität und Coming-out. „Viele Lehrer haben immer noch Berührungsängste mit dem Thema, erst recht, wenn sie Klassen mit hohem Migrantenanteil unterrichten“, sagt Zinn. Daher treten bei den „Respect Gaymes“ auch Teams von „Miles“, dem Beratungsprojekt für homosexuelle Migranten und ihre Eltern, an.

Für all das soziale Engagement durch den Sport gab es bereits Beifall und Auszeichnungen von der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, auch das Bündnis für Demokratie und Toleranz lobte. Die wohl schönste Belohnung für den Einsatz der Veranstalter dafür, dass Respekt auch gegenüber Sportlern völlig unabhängig von sexuellen Neigungen sein soll, ist aber etwas ganz anderes. LSVD-Geschäftsführer Alexander Zinn sagt: „Es gibt immer noch Vereine in Berlin, die würden noch nicht mal am Telefon ein einziges Wort mit uns reden. Aber viele der Jungs aus Jugendeinrichtungen, die anfangs total schwulenfeindlich eingestellt waren, haben Vorurteile abgelegt und machen jetzt bei den Respect Gaymes mit.“

Weitere Informationen im Internet:

www.respect-gaymes.de

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