Sport : Spielen, bis das (Abseits-)Tor fällt

Kaiserslautern – Hannover 1:0

Oliver Trust

Kaiserslautern . Solche Gefühle hatten sie in der Pfalz schon fast vergessen. Der Schiedsrichter gibt drei Minuten Nachspielzeit, sie zittern, bangen und kämpfen. Und sie schießen es doch noch, dieses unglaublich späte Tor. An der Seitenlinie sprang Trainer Erik Gerets in die Höhe, auf dem Rasen des Fritz-Walter-Stadions lagen sich die Spieler in den Armen, auf den Rängen jubelten die Zuschauer. 1:0 gegen Hannover 96, drei Punkte. Torschütze Miroslav Klose ballte die Hände zu Fäusten und ließ sich feiern.

Zigmal hatte es Klose probiert, sechs, sieben Chancen vergeben. Dann kam dieser Pass des unermüdlichen Marian Hristow. Klose köpfte, Hannovers Torwart Marc Zieglers große Fanghandschuhe klatschten gegen die Latte statt gegen den Ball, und der Ball trudelte im hohen Bogen ins Netz. Dass der Pfälzer Nationalstürmer beim Zuspiel von Hristow einen Meter im Abseits stand, sorgte nur beim Gegner aus Hannover für Aufregung, Kaiserslautern feierte seinen ersten Heimsieg wie eine Befreiung. „Ich bin stolz“, sagte Gerets. Jetzt hoffen die Krisenkicker aus Kaiserslautern, dass es so läuft wie vergangene Saison, als sie durch ein Abseitstor auf Schalke die Wende einleiteten und das Wunder Klassenerhalt schafften.

Bei Hannover 96 war es nach Jiri Stajners Pfostenschuss in der 10. Minute vorbei mit der Übersicht. Drei Minuten später schon musste Ziegler zweimal gegen Lembi und Tchato retten. Dann kamen Kloses ausgelassene Chancen. Ehe er dann doch noch traf.

Wer wie die Männer in den roten Trikots des FCK in Glückseligkeit versinkt, spricht später weniger über die Schattenseiten eines Spiels. So musste es Hannovers Trainer Ralf Rangnick auf den Punkt bringen. „Mit Verlaub, es war ein Grottenkick“, sagte er. „Ein Spiel zum einschlafen und, wenn selbst der Assistent an der Seitenlinie einschläft, bekommst du so ein Tor.“ Immerhin aber gab er auch zu, „dass wir nur 15 Minuten lang gut gespielt haben“.

Der Rest der Partie gehörte den Platzherren. Gerets baute mit Riedl für den schwachen Freund mehr Druck im Mittelfeld auf, und „er hat mitgeholfen, das Spiel zu kippen“. Gerets rechnete: „Wenn wir diesen dämlichen Drei-Punkte-Abzug nicht hätten, wären wir jetzt bei zehn Zählern. Aber man hat gesehen, zu welcher Explosion dieser Sieg nach dem Schlusspfiff geführt hat. Wir sind jetzt nur noch froh, dass wir gewonnen haben.“ Für den Mann, der vor ein paar Tagen noch fast entlassen worden wäre, galt dies an diesem Nachmittag mehr als für alle anderen.

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