Sport : Spielen für die Armen

Joakim Noah bereichert den US-Basketball

Matthias B. Krause[New York]

Hinter ihm zeigt ein Graffiti Bob Marleys Lachen. Joakim Noah steht davor, ihm geht kein Lächeln über die Lippen. Er pflegt sein Image als harter Typ, auf dem Spielfeld zahlt sich das aus. Mit den Florida Gators steht Noah, 21, am Montag im Finale der amerikanischen College-Basketball-Meisterschaft gegen UCLA (University of California, Los Angeles).

Im Halbfinale bezwangen die Gators am Samstag George Mason 73:58. Noah war zwar nicht ganz so dominierend wie im Viertelfinale gegen Villanova (21 Punkte, 15 Rebounds, fünf geblockte Würfe), aber der Anführer seiner Mannschaft ist er allemal. Mit seinen fast 2,10 Metern jagt er so schnell über das Feld, dass selbst die Aufbauspieler kaum hinterherkommen. Gelingt ihm ein guter Spielzug, schreit er seine Freude hinaus, unterläuft ihm ein schlechter, brüllt er auch. Dabei wippt sein mühsam zum Pferdeschwanz gebundener Haarschopf auf und ab. Spätestens dann fühlt man sich an seinen berühmten Vater erinnert: Yannick Noah, den Sieger der French Open 1983, seit vergangenem Jahr Mitglied der Tennis Hall of Fame, Reggae-Musiker und eine Ikone in Frankreich.

Joakim ist eines seiner fünf Kinder aus drei Beziehungen. Der Junge aus Frankreich zog als Dreijähriger mit seiner Mutter Cecilia Rodhe, einem schwedischen Model, nach New York. Dort bekam er von Patrick Ewing, dem legendären Center der New York Knicks und Freund der Familie, einen Basketball geschenkt. Als er seinen Vater in Paris besuchte, versuchte er es mit Tennis, doch die Leute gafften ihn an. Noah Junior tat es nie wieder. Er eroberte lieber die Hartplätze der Stadt, in der ihn niemand erkannte: in Queens, in Bedford-Stuyvesant, in Harlem.

Dort sah er die armen Schwarzen, die nichts hatten als Musik und Sport, für die die Schulen auch in den Ferien öffneten, damit sie eine warme Mahlzeit bekamen. „Ich sah, dass es auch in Amerika Armut gibt“, sagt Joakim Noah. Er hat auch jene Armut nicht vergessen, die er bei seinem Großvater in Kamerun sah. Dort entdeckte Arthur Ashe einst den zwölfjährigen Yannick Noah und schickte ihn zur Tennisakademie nach Frankreich.

„Wenn man reich ist, sollte man sich öfter vorstellen, man wäre arm“, sagt Joakim Noah. Im College in Florida studiert er Arabisch und Politik, seine Mannschaftskollegen schleppt er in Filme wie „Hotel Ruanda“. Seinem Trainer Bill Donovan empfahl er Michel Moores „Fahrenheit 9/11“, weil er mit ihm über die regierungskritschen Ansichten des linken Filmemachers diskutieren wollte.

Doch im verrückten März, wie die Amerikaner die Zeit nennen, in der der College-Meister in einem großen K. o.- Turnier ausgespielt wird, gibt es auch für Joakim Noah nur ein Thema: Basketball. Der schlaksige Noah entwickelt sich unter den Augen der NBA-Scouts in atemraubender Geschwindigkeit weiter. Er könnte als einer der begehrtesten Spieler in die nächste Draft-Lotterie gehen. Wenn er das will. Wahrscheinlich studiert er lieber noch zwei Jahre. Für ihn gibt es Wichtigeres als Geld und Ruhm. In Florida nennen sie ihn inzwischen „den Noblen“.

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