Sport : Spielen fürs Stadion

Der 1. FC Union erreicht ein 2:2 gegen Braunschweig

Matthias Koch

Berlin - Spitzenreiter der Regionalliga Nord, Heimspiel gegen den Zweitligaabsteiger Eintracht Braunschweig, der zuletzt vier Spiele in Serie gewonnen hatte – all das rückte beim 1. FC Union in den Hintergrund. Daran änderte auch das 2:2 nach 0:2-Rückstand vor 9696 Zuschauern nichts, das Union-Trainer Uwe Neuhaus „als moralischen Sieg“ bezeichnete. Es zählt im Moment nur eines beim 1. FC Union: das Zuhause, das eigene Stadion.

Denn in erster Linie wollten die Berliner Fans den Zusammenhalt am Samstag in der Diskussion um den Erhalt des maroden Stadions An der Alten Försterei demonstrieren. Nach den jüngsten Äußerungen von Sportstaatssekretär Thomas Härtel könne das Land Berlin im Doppelhaushalt 2008/2009 keine finanziellen Mittel für die vom Deutschen Fußball-Bund geforderten Sanierungsmaßnahmen bereitstellen. Mit einem politisch verordneten Umzug in den Jahnsportpark oder das Olympiastadion wollen sich jedoch weder Verein noch Fans anfreunden. Vor dem Anpfiff lief die Mannschaft mit einem Transparent mit der Aufschrift „Das ist unser Stadion! Die Alte Försterei muss bleiben“ ein. Immer wieder stimmten die Fans Gesänge an, mit denen sie der seit 1920 genutzten Spielstätte huldigten.

Sportlich hatte man fast den Eindruck, als ob die Berliner Mannschaft das Stadionproblem zu ernst nahm. Die erste Hälfte wurde nach ausgeglichenem Beginn von den Norddeutschen dominiert. Lars Fuchs konnte in der 19. und 42. Minute gleich zwei Tore für die Eintracht erzielen. Nach der Pause kehrte Union aber schnell in die Partie zurück. Dustin Heun gelang sieben Minuten nach dem Wiederanpfiff der Anschlusstreffer zum 1:2. Schon in der 55. Minute holte Marco Gebhardt mit einem an Nico Patschinski verschuldeten Foulelfmeter das am Ende verdiente 2:2-Remis heraus. „Es ist eine gefühlte Niederlage“, ärgerte sich der Braunschweiger Trainer Benno Möhlmann, der sich verbal auch für den Erhalt des Stadions der Berliner einsetzte. Sein Berliner Kollege Uwe Neuhaus war zwar enttäuscht über den Verlust der Tabellenführung, aber auch ihm ging es ums Stadion: „Union gehört in die Alte Försterei. Das haben die Zuschauer heute wieder gezeigt.“

Für die Gerüchte um den Einstieg russischer Sponsoren wie Gazprom Germania gibt es bislang keine offizielle Bestätigung. „Wir geben unsere Pläne erst dann bekannt, wenn Plan A scheitert. Wovon ich nicht ausgehe“, sagte Union-Präsident Dirk Zingler. „Wir stehen nicht in Kontakt mit dem Verein“, sagte Burkhard Woelki, der Leiter der Unternehmenskommunikation der in Berlin ansässigen Gazprom Germania GmbH. Vielleicht warten beide Seiten auch nur darauf, dass das Land Berlin sich bewegt.

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