Sport : Spielen, nicht spinnen

Michael Rosentritt

Der arme Joachim Löw. Wie will der neue Bundestrainer den 82 Millionen Bundesdeutschen verklickern, dass die Fußball-Weltmeisterschaft zu Ende ist? Die Mannschaft sieht aus wie die bei der WM, sie spielt wie bei der WM und sie verbreitet eine Laune wie bei der WM. In gewisser Weise aber ist es genau das, was Löw jetzt gar nicht gebrauchen kann. Denn die Aufgabe für Löw ist eine andere als die von Klinsmann. Seine Mannschaft steht vor einem Qualifikationsmarathon zur Europameisterschaft. Bisher ist noch jede EM-Qualifikation schwerer gewesen als irgendeine WM-Vorrunde. Und dass ein EM-Turnier qualitativ hochwertiger ist als eine WM-Endrunde, ist ebenso unstrittig.

Aber das will niemand hören. Die WM hat Erwartungen geweckt. Für die Deutschen ist es nur eine logische Konsequenz, eine Selbstverständlichkeit, in zwei Jahren Europameister zu werden. Nicht, dass der deutschen Elf ein Erfolg bei der EM 2008 nicht zuzutrauen wäre, aber zunächst einmal muss sich die Mannschaft für dieses Turnier qualifizieren.

Wünsche und Visionen sind schön, gefährlich sind sie allerdings, wenn daraus Größenwahn wird. Wohin das führen kann, bewies der Spieler Manuel Friedrich nach seinen ersten 45 Minuten in der Nationalmannschaft. Er hoffe, dass die Euphorie nicht nur bis zur EM, sondern darüber hinaus weiter bis zur WM 2010 in Südafrika hält, „wo wir dann endlich Weltmeister werden“. So können Fans reden. Aber das wird der erste Mainzer Nationalspieler der Geschichte auch noch lernen.

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