Sport : Spielen und werben

Hartmut Moheit

Man wird ja wohl noch träumen dürfen – beispielsweise vom WM-Titel für die deutschen Handballer. Die Realität sagt zwar etwas anderes aus, da sind Frankreich, Spanien und Kroatien die großen Favoriten auf den Titel, aber Deutschland ist schließlich das Gastgeberland. Diese Tatsache allein könnte dennoch helfen, wenn die Weltmeisterschaft am kommenden Freitag in Berlin angepfiffen wird. Trotz allen Verletzungspechs, das wieder einmal die Vorbereitung der Deutschen empfindlich gestört hat, kann eine verschworene Gemeinschaft mit dem nötigen Rückhalt auf den Rängen über sich hinauswachsen. Es wäre kein „Wintermärchen“, dieses Wort kann ohnehin keiner im deutschen Handballteam mehr hören, sondern das Produkt harter Arbeit unter ungünstigen Bedingungen.

Aber wie kann vom ersten WM-Tag an jene Euphorie erzeugt werden, die noch lange nach dem 4. Februar, dem Finaltag, wirken soll? Reichen allein volle Hallen und die Präsenz im Fernsehen dafür aus? Für die Handballfans, die ihre Karten sicher haben oder von vornherein lieber auf die Übertragungen gesetzt haben, gewiss. Aber wollte der Deutsche Handball-Bund nicht gerade die für viele Jahre einmalige Chance nutzen, mit dieser WM einen Boom auszulösen? Die Fußballer haben es 2006 vorgemacht.

Ausgerechnet der oberste Handballfunktionär in Deutschland, DHB- Präsident Ulrich Strombach, irrt, wenn er meint, dort auf jegliche Werbung verzichten zu können, wo ohnehin schon keine Karten mehr zu haben sind. Die Vermarktung dieser WM verlangt schon einiges mehr. Zum Beispiel auch mit Plakaten und Werbemitteln ein Klima zu erzeugen, das nicht nur die Fans mitreißt. Daran mangelt es seit Monaten. Entsprechende Kritik ließen die Verantwortlichen nicht gelten. Das ist paradox – auch sie träumen schließlich vom WM-Titel.

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