Sport : Spieler an der Macht

Stefan Hermanns

über das neue Selbstbewusstsein der Nationalmannschaft Seit acht Monaten ist Jürgen Klinsmann Trainer der Fußball-Nationalmannschaft, und in diesen acht Monaten hat er sich eine Machtfülle angeeignet, die seit Sepp Herberger kein Bundestrainer besessen hat. Klinsmann ist ein Kontrollfreak, der sogar in die Lebensführung seiner Spieler eingreift. Doch das ist nur die eine Seite seiner Arbeit. Denn so, wie aus einem verzagten Hintern angeblich kein fröhlicher Furz entweicht, so wird eine gegängelte Mannschaft keinen entfesselten Fußball spielen.

Die Nationalmannschaft spielt selbstbewusst, weil sie aus selbstbewussten Spielern besteht. Klinsmann hat, nicht unbedingt zur Freude einst privilegierter Funktionäre, die Mannschaft wieder in den Mittelpunkt gerückt. Das neue Selbstbewusstsein hat der Deutsche Fußball-Bund bei den Prämien-Verhandlungen in dieser Woche zum ersten Mal zu spüren bekommen.

Von Verhandlungen zu sprechen verbietet sich eigentlich. Dazu wäre ein Mindestmaß an Interaktion notwendig gewesen. In diesem Fall aber durfte die hochrangige DFB-Delegation lediglich die Forderungen der Spieler entgegennehmen, um ihnen nach einer gesichtswahrenden Frist stattzugeben. Die Spieler kriegen genau das, was sie von Anfang an wollten: 300 000 Euro für den WM-Titel. Jürgen Klinsmann kennt das aus seiner eigenen aktiven Zeit. Auch er galt als knallharter Verhandlungspartner. Man kann wohl sagen: Die Nationalmannschaft fängt an, seine Handschrift zu tragen.

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