Sport : Spieler ohne Grenzen

Der FC Chelsea bietet fabelhafte Ablösesummen – jetzt auch noch 100 Millionen Euro für Raul

Jörg Wenig

London. „Fantasy Football“ ist ein beliebtes Spiel in der „Times“. Der Fußball-Fan kann sich aus einer Liste von Spielern aus der britischen Premier League sein Traum- Team zusammenstellen. Nach jedem Spieltag erhalten die ausgewählten Spieler Punkte – je nach tatsächlicher Leistung. Wer am Saisonende mit seinem Team die meisten Punkte hat, gewinnt rund 75 000 Euro. Das, was beim FC Chelsea zurzeit passiert, erinnert an „Fantasy Football“ – mit nur einem Spieler, und der heißt Roman Abramowitsch. Auf 75 000 Euro mehr oder weniger kommt es bei dem russischen Öl-Milliardär allerdings nicht an. Vor drei Wochen hat Abramowitsch den Mehrheitanteil am FC Chelsea erworben, inklusive Vereinsschulden: für 220 Millionen Euro. Abramowitsch ist nun bereit, mindestens die gleiche Summe noch einmal zu investieren, um seinen Klub mit neuen Spielern zu verstärken.

Abramowitsch soll seinen Beratern gesagt haben, sie könnten praktisch ohne Limit Weltklassespieler für den Verein aus dem Westen Londons verpflichten. Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein neuer Name mit den Londonern in Verbindung gebracht wird. Selbst die „Times“ druckte über mehrere Tage hinweg eine Tabelle ab, in der mögliche Zugänge und die Wahrscheinlichkeit einer Verpflichtung angezeigt wurden. Das Ganze nannte sich in Anspielung auf den neuen russischen Klub-Besitzer „Chelski-Index“. Fünf Spieler mit einem Gesamt-Transfervolumen von über 550 Millionen Euro waren an einem Tag im „Chelski-Index“ gelistet, darunter Inter Mailands Torjäger Christian Vieri. Für Real Madrids spanischen Nationalstürmer Raul bot Chelsea gestern sogar 100 Millionen Euro. Die bisherige Rekordsumme lag bei 76 Millionen Euro – so viel zahlte Real an Juventus Turin für Zinedine Zidane. Ein Spieler von Real wurde schon von Chelsea verpflichtet: Der Kameruner Geremi wechselt für zehn Millionen Euro nach London.

„Ich mache das, weil ich Fußball liebe“, sagt Abramowitsch. Bei den anderen Vereinen der Premier League macht sich der spendierfreudige Russe nicht beliebt. Der FC Arsenal versucht zurzeit, seine französischen Stars Patrick Vieira und Thierry Henry langfristig zu binden. Das Duo wird mit Chelsea in Verbindung gebracht. Der FC Liverpool bietet seinen Stars Michael Owen und Steven Gerrad langfristige Verträge an, obwohl deren Verträge noch zwei Jahre laufen.

Nur einmal sahen sich die Londoner genötigt, eine Erklärung abzugeben: „Gerüchte, dass wir Sven-Göran Eriksson verpflichten wollen, sind unwahr“, erklärte Vorstandsmitglied Trevor Birch. Eriksson ist Trainer der englischen Nationalelf.

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