Sport : Spielt härter!

Basketballer Szymon Szewczyk fordert mehr Einsatz von seinen Teamkollegen bei Alba Berlin

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Eigentlich wisse jeder, wo das Problem liegt. „Aber keiner spricht es aus“, sagt Szymon Szewczyk. Der Center von Alba Berlin meint, seine Mannschaft, die fünf der letzten sechs Spiele verloren hat, sei „zu nett zum Gegner. Wir müssen viel härter spielen, mehr kämpfen.“ Doch zum Kämpfen fehle dem Team oftmals die Kraft, „weil immer nur dieselben sieben Spieler zum Einsatz kommen. Wenn einer fast vierzig Minuten auf dem Feld steht, dann geht ihm irgendwann die Puste aus. Es müsste mehr gewechselt werden.“ Tatsächlich verloren die Berliner ihre Spiele häufig in den letzten Minuten, fehlende Kraft könnte eine Erklärung sein. Eine Grippewelle schwächte die Mannschaft zudem. Trainer Emir Mutapcic setzte trotzdem meistens nur sieben Spieler länger ein.

Ganz uneigennützig ist Szewczyks Erkenntnis allerdings nicht. Der 22-jährige Pole fordert mehr Einsatzzeit für sich und die anderen jungen Spieler. Justin Brown (24 Jahre alt), Guido Grünheid (22), Martynas Mazeika (19) und Szewczyk spielten in dieser Saison bislang nur wenig. „Wir können Basketball spielen, und wir sind richtig heiß, aber wir brauchen die Chance, das zu zeigen“, sagt Szewczyk. Der Center argumentiert mit seiner Statistik: In der Bundesliga machte er in durchschnittlich 15 Minuten Einsatzzeit 8,8 Punkte, im Uleb-Cup erzielte er in 16 Minuten durchschnittlich 9,6 Punkte. Damit macht er alle zwei Minuten mehr als einen Punkt. Das ist ein guter Wert. „Man muss aber auch bedenken, dass er fast vier, fünf Fouls im Durchschnitt begeht“, hält Trainer Emir Mutapcic dagegen. „Zurzeit reichen seine Leistungen einfach nicht für mehr Spielzeit.“ Mutapcic findet es allerdings normal, dass junge Spieler unzufrieden sind. „Wären sie das nicht, dann könnten sie gleich mit dem Basketball aufhören“, sagt er.

Doch Szymon Szewczyk sieht noch ein anderes Problem. „Wir sind nicht hart genug zueinander im Training“, sagt er. Die Mannschaft sei deshalb auch im Spiel nicht bereit, alles zu geben. „Unsere Trainer pfeifen zu schnell Fouls, wenn wir ein Trainingsspiel machen. Deshalb trauen wir uns im Spiel dann nicht, richtig zuzulangen.“ GHP Bamberg sei für ihn ein gutes Beispiel für ein Team mit dem richtigen Einsatz: „Wenn die hinten liegen, dann hauen die mit den Ellenbogen um sich und drehen dadurch das Spiel noch um. Nach dem Abpfiff sind sie dann wieder nett zu dir“, sagt Szewczyk. „So muss es sein.“

Seit gestern kann die Mannschaft von Alba Berlin wieder versuchen, Szewczyks Wünsche umzusetzen. Nach fünf Tagen Kurzurlaub hat das Team wieder mit dem Training begonnen. Der Trainingsschwerpunkt liegt laut Mutapcic erst einmal auf der Kondition. Nach der blamablen Heimniederlage am 22. Dezember gegen Debrecen Vadkakasok – die Ungarn hatten bis dahin kein Uleb-Cup-Spiel gewonnen – hatte der Trainer „mehr Training und weniger Freizeit für die Spieler“ angekündigt. Das Konditionstraining sei aber trotzdem nicht als Bestrafung gedacht. „Das ist eine unserer Schwächen, daran müssen wir arbeiten“, sagt er.

Und das sollte schnell gehen: Bereits am 1. Januar spielt Alba gegen Quakenbrück in der Bundesliga. Nur drei Tage später müssen die Berliner im Uleb-Cup gegen den französischen Vizemeister Dünkirchen spielen. Um die Chance auf das Achtelfinale zu wahren, müssen die Berliner dort gewinnen. „Wenn wir kämpfen, dann schaffen wir das“, sagt Szymon Szewczyk.

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