Sport : Spielverderber aus der Schweiz

Spanien rennt, drängt und greift an – und verliert dennoch sensationell mit 0:1, weil Hitzfelds Team viel Glück und Torhüter Benaglio hat

Der Mann des Spiels.
Der Mann des Spiels.Foto: REUTERS

Als die Stadt des ewigen Sommers wird Durban von seinen Marketingstrategen gepriesen, tatsächlich herrschten auch wieder sehr angenehme Temperaturen am Indischen Ozean, als ihr der aktuelle Europameister seine Aufwartung machte. Es hätten also eigentlich beste Bedingungen herrschen müssen für Spaniens sonnenverwöhntes Nationalteam, das im Weltfußball fast schon ein Synonym für Spielkunst und Spielfreude darstellt. Und doch verlor einer der Favoriten auf den Weltmeisterschaftstitel nach kuriosem Spielverlauf sein Auftaktspiel gegen die Schweiz mit 0:1 (0:0).

„Wir können nicht einfach sagen: Wir haben Pech gehabt“, erklärte Vicente del Bosque, der lieber auf die heilende Wirkung von Spielanalysen setzt. Wichtig sei es aber, so der Trainer der Spanier, „dass wir unsere Identität wahren“. Doch die Schweißperlen auf der Stirn des 59-Jährigen verrieten, dass sich da jemand wirklich Sorgen macht. Ottmar Hitzfeld, der deutsche Trainer der Schweizer, war nach dem ersten Sieg der Eidgenossen gegen die Spanier überhaupt schon wesentlich weiter in der Analyse. Die Schweizer konnten „die rote Zone“ (Hitzfeld) – gemeint war der zentrale Mittelfeldbereich – doppelt und dreifach zustellen. Und so kam es, dass die Spanier erst ihre zweite Niederlage in den 48 Spielen seit dem WM-Sommer 2006 kassierten. Nur die USA hatten beim Confederations Cup 2009 den Europameister geschlagen.

Was sich im Moses-Mabhida-Stadium vor 62 45 Zuschauern ereignete, war eine echte Sensation. Bezeichnend dabei, wie der Gegentreffer fiel, den Gelson Fernandes vom AS Saint Etienne nach 52 Minuten erzielte: Bei einem der wenigen Konter, vorgetragen durch Eren Derdiyok sah vor allem Spaniens bärtiger Abwehrmann Gerard Piqué nicht gut aus. Er stolperte, der Ball landete bei Fernandes, der seine Wurzeln auf den Kapverdischen Inseln hat, und der 23-Jährige schob schließlich den Ball über die Linie. Spaniens Verteidiger zog sich dabei sogar noch eine blutende Wunde an der Schläfe zu – als sollte ihm in dieser grotesken Szene nichts erspart bleiben.

„Der Ball war plötzlich frei, ich war selbst überrascht“, sagte Matchwinner Fernandes, „ich bin ja kein typischer Torschütze.“ Sondern ein gelernter defensiver Mittelfeldmann, den Hitzfeld intuitiv an die linke Außenbahn postiert hatte. Ob der Schweizer Sieg verdient war, darüber darf angesichts der spanischen Dominanz gestritten werden. Keine Mannschaft kann solch eine Vorherrschaft an Ballbesitz kreieren wie die Iberer. Zu zwei Dritteln beherrschte das Team von Trainer Vicente del Bosque der Statistik nach den Ball, brachte diesen aber einfach nicht im Tor unter. Und die Schweizer legten im Spiel insgesamt 15 Kilometer mehr Wegstrecke zurück.

Den besten der 24 Torschüsse der Spanier vergab Piqué, der anfangs freistehend an dem herausragend haltenden Schweizer Torhüter Diego Benaglio vom VfL Wolfsburg scheiterte. „Er war mit der Matchwinner“, lobte Hitzfeld, „er hat ein sensationelles Stellungsspiel und ist Weltklasse im Eins-gegen-Eins.“

Dabei hatte die Schweiz, die in der 36. Minute den verletzten Abwehrchef Philippe Senderos durch Hertha-Profi Steve von Bergen ersetzen musste, bis zur Pause nur einen Torschuss durch einen Freistoß von Reto Ziegler verzeichnet. In der zweiten Halbzeit, als sich die Dämmerung über den gewaltigen Stahlbogen des Skywalks gelegt hatte, bekam die Partie durch das Tor zum 0:1 eine dramatische Wendung.

Die Spanier wechselten anschließend den wegen einer Knieverletzung noch geschonten Fernando Torres und später Barcelonas Pedro ein, berannten und belagerten das Schweizer Tor, doch die Stars wie Iniesta oder Torres zielten einfach zu schlecht oder trafen wie Xabi Alonso nur die Latte trafen. Auf der Gegenseite verzeichnete aber auch Derdiyok nach einer starken Einzelleistung noch einen Pfostenschuss. Der Schweizer Sieg war also nicht völlig unverdient, auch wenn Hitzfeld ein gewisses „Schlachtenglück“ einräumte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben