Sport : Spitze – für einen Tag?

Schalke ist nach dem 1:0 in Bielefeld Tabellenführer, aber Bremen kann heute vorbeiziehen

Richard Leipold[Bielefeld]

Die Fußballspieler des Schalke 04 sind dort angekommen, wo sie seit langem hinwollen. Zumindest für ein paar Stunden blicken sie von ganz oben auf die Konkurrenz in der Bundesliga herab – ohne allerdings herablassend mit ihrem neuen Status umzugehen. „Wir waren die Glücklicheren“, sagte der Gelsenkirchener Cheftrainer Mirko Slomka nach dem Auswärtssieg gegen Arminia Bielefeld. „Es war vielleicht nicht schön anzusehen, aber davon spricht im Januar kein Mensch mehr.“ Mit dem 1:0 hat Schalke den Konkurrenten Werder Bremen unter Druck gesetzt. Die Hanseaten benötigen an diesem Sonntag einen Heimsieg über den VfL Wolfsburg, um Schalke (aufgrund der besseren Tordifferenz) wieder von der Spitze zu verdrängen. In einer ausgeglichenen, selten unterhaltsamen Partie hatte es lange nach einem torlosen Unentschieden ausgesehen, ehe Zlatan Bajramovic acht Minuten vor dem Ende doch noch ein Treffer gelang.

In der ersten Halbzeit hatte sich nicht viel ereignet im ausverkauften Bielefelder Stadion. Der gefeierte Mann war Thomas von Heesen. Nach gut einer halben Stunde ließen die Arminia-Fans den Trainer, der den Klub möglicherweise verlässt, hochleben. Fragen zu seiner Zukunft zu beantworten, lehnte der von Borussia Dortmund umworbene von Heesen ab. Auch in der Rückrunde werde es für Arminia Bielefeld darum gehen, in der Liga zu bleiben, sagte er. „Was sonst passiert, werden wir intern besprechen.“ Wie es heißt, erörtert von Heesen am kommenden Mittwoch mit den Verantwortlichen der Arminia die künftige Konzeption des Klubs.

Auf dem Rasen geschah in der ersten Hälfte nicht viel Aufregendes. Beide Mannschaften kämpften gewissenhaft um den Ball, wussten ihn aber nur selten in die Nähe des gegnerischen Tores zu bringen. Die Strafräume waren sorgfältig abgeriegelt; so ergaben sich Chancen nur bei Schüssen aus der Distanz, die allerdings ohne Wirkung blieben.

Im zweiten Durchgang kamen beide Parteien dem Ziel näher, aber nur die Schalker erreichten es – mit einer Mischung aus Routine, Glück und gutem Kopfballspiel. Die meisten Chancen boten sich den Gästen bei hohen Flanken. Krstajic und Altintop verpassten gute Chancen. Nachdem Pander mit einem raffinierten Freistoß knapp das Ziel verfehlte, rechneten viele im Stadion nicht mehr damit, dass noch ein Tor fallen würde.

Auch der Stadionsprecher schien sich mit 0:0 abgefunden zu haben. „Und jetzt die schönste Zahl des Tages: 26 601“, rief er und verkündete die Zuschauerzahl. Für Bielefeld gab es an diesem Abend keine gute Nachricht mehr. Für Schalke indes wurde die Eins zur Zahl des Tages. Zlatan Bajramovic nutzte eine Flanke mit dem Kopf zum einzigen Treffer der Begegnung. Sein Treffer bedeutete für Schalke nicht bloß die volle Punktzahl, sondern auch den Sprung auf den ersten Platz.

Das Tor des Tages zeigte, wie nah Glück und Pech beieinander liegen können. Kurz zuvor erst eingewechselt, war der Mittelfeldspieler schon wieder reif für eine Auswechslung. „Als Zlatan das Tor gemacht hat, war er schon verletzt. Er hatte beim ersten Sprint einen Muskelfaserriss erlitten“, sagte Slomka. Die Schalker gehen wieder dahin, wo es wehtut. „Ich wollte hinten bleiben, aber ich konnte noch laufen, da bin ich noch mal nach vorne gegangen“, sagte Bajramovic, der wie seine Kollegen den zuletzt gelockerten Presseboykott vollends beendete.

In der letzten Minute mussten die Schalker noch eine Schrecksekunde überstehen, aber der aufmerksame Torwart Neuer parierte einen Schuss des Bielefelder Stürmers Zuma. Von den zehn Spielen mit Neuer als Torwart hat Schalke kein einziges verloren. Neuer zur Nummer eins zu ernennen, zeugte von Mut zum Risiko. Aber in den folgenden Wochen hat der Trainer nicht nur einen hochbegabten Torhüter dazugewonnen, sondern auch einen Mitspieler, der unwiderstehlich ist: den Erfolg. „Wir haben 36 Punkte, das ist ein richtig gutes Ergebnis für Schalke 04“, sagte Slomka.

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