Sport : Spitze nur bei Schmähgesängen

Nach dem 0:1 gegen den Hamburger SV bleibt der VfB Stuttgart schlechtestes Team der Rückrunde.

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Sprung nach vorn. Jeffrey Bruma (l.) und der HSV stehen nach dem Sieg gegen Vedad Ibisevic und den VfB Stuttgart wieder auf einem Europapokalplatz. Foto: dpa
Sprung nach vorn. Jeffrey Bruma (l.) und der HSV stehen nach dem Sieg gegen Vedad Ibisevic und den VfB Stuttgart wieder auf einem...Foto: dpa

Stuttgart - Die Verlierer aus Stuttgart begleiteten wütende Pfiffe ihrer Fans in die Kabine. „Mäuser raus“, „Wir haben die Schnauze voll“ und „aufwachen“ riefen die schwäbischen Fans. Nachdem der Hamburger SV durch das Tor von Artjoms Rudnevs vor 47 100 Zuschauern mit 1:0 seinen vierten Auswärtssieg eingefahren hatte und Platz sechs in der Tabelle eroberte, herrschte beim VfB Stuttgart Endzeitstimmung. Der beim schwäbischen Anhang unbeliebte Präsident Gerd Mäuser musste sich allerlei Schmähgesänge anhören. Mit nur vier Punkten aus acht Spielen sind die Stuttgarter weiter das schlechteste Rückrundenteam der Bundesliga. Drei Tage nach dem 0:2 im Hinspiel des Achtelfinales der Europa League gegen Lazio Rom lief beim VfB erneut wenig zusammen. „Unser Kader ist brutal eng“, klagte VfB-Trainer Bruno Labbadia und kritisierte erneut, mit einem dünn besetzten Kader schon wieder spielen zu müssen.

Wie tief die Verunsicherung beim VfB ist, zeigte sich, als Labbadia Cristian Molinaro einwechseln wollte, das Publikum mit Pfiffen reagierte, und Labbadia sein Vorhaben sofort wieder aufgab und den bereits einsatzbereiten Italiener von der Seitenlinie zurück zum Aufwärmen schickte. Wieder gab es wütende Pfiffe und nun auch „Bruno raus“-Rufe. Die Negativserie in der Liga sorgt in Stuttgart für extrem schlechte Stimmung, obwohl der VfB im DFB-Pokal das Halbfinale gegen den SC Freiburg erreichte und als letzte deutsche Mannschaft in der Europa League vertreten ist. „Heute hat uns Effektivität gefehlt und die Zuspiele hätten sauberer ausfallen müssen“, sagte Labbadia.

Beim Hamburger SV musste nicht lange nach den Matchwinnern gesucht werden. Neben dem Torschützen Rudnevs, der mit einem spektakulären Volleyschuss sein elftes Saisontor erzielte, qualifizierte sich in dieser Kategorie Torwart Rene Adler. Hamburg rückt als Tabellensechster bis auf einen Punkt an den Champions-League-Qualifikationsplatz vier heran. „Das war eine äußerst disziplinierte Leistung, wir haben auf unsere Chance gewartet, deshalb geht der Sieg in Ordnung“, sagte der Hamburger Trainer Thorsten Fink.

Auf dem Rasen hatte zunächst der VfB die größeren Chancen. In der 16. Minute klatschte ein Freistoß von Raphael Holzhauser an die Latte. Ohne die Rettungstat von Adler wäre der Ball freilich im Tor gelandet. Der HSV versprühte zwar keinen Glanz und konnte sich einige Male bei Adler bedanken, aber die Hanseaten agierten ruhig und ohne jede Hektik im Spielaufbau.

Am Ende schallten mal wieder die Pfiffe in Stuttgart. „Die Mannschaft macht und tut“, sagte Labbadia, „aber wenn es so schnell Pfiffe gibt, hilft das der Mannschaft nicht weiter.“ Man richte den Blick in der Bundesliga durchaus nach unten, man müsse aber bedenken, dass der VfB weiterhin an drei Wettbewerben teilnehme, entschuldigte Labbadia die schwache Leistung. „Das hat etwas mit fehlendem Selbstvertrauen zu tun“, sagte der Stuttgarter Trainer, „ich kann meine Mannschaft in den Tod schicken und sagen, spielt, spielt, spielt – oder ich sage, ich vertraue euch.“ Doch sein Zutrauen hat gegen Hamburg auch nichts geholfen. Oliver Trust

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