Sport : Spitzenspiel abseits der Schlagzeilen

Beim 1:1 zwischen Arsenal und Manchester ist der neue Vertrag von Englands Nationaltrainer Eriksson Thema Nummer eins

Rafael Honigstein

London. Der Erste gegen den Dritten im immer noch aufregendsten Duell der Saison: FC Arsenal gegen Manchester United. Ein begeisterndes Spiel ohne Geschwindigkeitsbegrenzung, und von brachialer Intensität. Ein gerechtes 1:1-Unentschieden, das Uniteds Titelträume in der englischen Premier League endgültig beendet und den FC Chelsea mit sieben Punkten Rückstand auf Arsenal wieder auf den Titel hoffen lässt.

Es gibt viel zu erzählen von diesen wunderbaren 90 Minuten in Highbury, doch das alles beherrschende Thema nach der Partie war der unglaubliche Rekord, der an jenem trüben, ungemütlichen Londoner Märztag aufgestellt wurde.

Arsenals geschichtsträchtige Serie von 30 ungeschlagenen Spielen hintereinander? Nur eine Randnotiz – die Rede ist natürlich von Sven-Göran Erikssons sagenhaftem, neuen Vertrag, der dem 1:1 zwischen den beiden Topteams des Landes fast gänzlich die Schlagzeilen stahl.

Der Schwede bleibt nun doch Trainer der englischen Nationalmannschaft und geht nicht zum FC Chelsea. Am Donnerstag war „Sneaky Sven“ („Mirror“), der verschlagene Schwede, von Fotografen vor der Wohnung von Chelseas Geschäftsführer Peter Kenyon erwischt worden, der englische Verband bat daraufhin am Samstag zum Rapport. Erst als der Verband ihm mit der Entlassung drohte, versprach der auch von Real Madrid umworbene Nationaltrainer seinen Vertrag bis zur Weltmeisterschaft 2006 (mit gegenseitiger Option bis zum Jahr 2008) zu erfüllen; das Boulevardblatt „Sun“ sprach von einer „Schrotflinten-Hochzeit“. Eriksson ließ sich das „Ja“ dann auch fürstlich entlohnen – sein Gehalt wurde um 2 Millionen Euro auf 3,5 Millionen erhöht. Erikssons Kollegen Arsène Wenger und Alex Ferguson mag es komisch vorgekommen sein, dass vor dem Anpfiff alle Objektive an ihnen vorbei und auf den bebrillten Tribünenbesucher Eriksson zielten, doch auch ohne den Nationaltrainer im Stadion hätte dem Aufeinandertreffen der sich gegenseitig spinnefeinden Kontrahenten wohl in diesem Jahr die ganz große Brisanz gefehlt: zu deutlich war Arsenals 12-Punkte-Vorsprung.

Selbst Ferguson, sonst immer für eine markige Fehleinschätzung gut, hatte am Freitag, den Klassenunterschied in dieser Saison anerkannt, sich aber danach mit Daten aus der Marktforschung getröstet: „Es ist unmöglich zu sagen, dass Arsenal der größere Verein ist. Man muss nur einmal durch Gibraltar oder Singapur laufen, die Leute reden da nur von United.“ Mag sein, aber in England gibt das filigrane Ensemble der Londoner den Ton an. Auch am Sonntag, als die Animositäten zwischen den Teams den unterhaltsamen Betrieb nur selten störten, irritierte Wengers Mannschaft den stark ersatzgeschwächten Gegner mit schnellen Kombinationen immer wieder lustvoll, United war nur dank großer Moral und verbissenem Kampf heil in die Pause gekommen. Doch nach Henrys Führungstor kurz nach dem Wiederanpfiff hatte sich in Arsenals Spiel ein wenig Überheblichkeit eingeschlichen, und United kam durch Louis Sahas Abstauber kurz vor Schluss zum Ausgleich. „Wir haben gezeigt, dass wir noch leben”, freute sich Ferguson.

Sein Londoner Kollege Wenger war weniger zufrieden. Das 1:1 wird den bisher so souveränen FC Arsenal vor dem Pokal-Halbfinale gegen den selben Gegner und dem Champions-League-Rückspiel gegen Chelsea ein wenig an der eigenen Unfehlbarkeit zweifeln lassen. Chelsea ist der große Gewinner dieses Sonntags. Bei nur noch sieben Punkten Rückstand hat der Klub wieder Chancen auf die Meisterschaft, und vielleicht kehrt nach Erikssons Treueschwur so etwas wie Ruhe ein an der Stamford Bridge; der Schwede galt bisher als aussichtsreicher Kandidat für Claudio Ranieris Nachfolge. Der schon seit Monaten totgesagte Italiener lebt so weiter fröhlich auf der Bank, vielleicht mangels Alternativen sogar über den Juni hinaus. Rekordverdächtig, das Ganze.

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