Sport : Spitzenspiel der Spaßbremsen

Felix Meininghaus

Bayern oder Bayer? Bremen und Borussia! Wenn Dortmund am Samstag im Weserstadion antritt, treffen die zur Zeit erfolgreichsten Bundesliga-Teams aufeinander. Jeweils sechs Siege in Folge für Werder und den BVB, das sind beeindruckende Erfolgsbelege. Das anschließende Pressegespräch, so viel dürfte jedoch jetzt schon fest stehen, wird garantiert nichts für Schenkelklopfer. Schließlich werden mit Matthias Sammer und Thomas Schaaf die Trainer ihre Statements verbreiten, die sich in dieser Saison als die größten Spaßbremsen ihrer Branche etabliert haben. Einer wie der stets ernst dreinblickende Schaaf ist so etwas wie der Gegenentwurf zum Show-Business Bundesliga.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Es kann durchaus vorkommen, dass Bremens Trainer auf Hintergrundfragen mit einem schlichten "ja" oder "nein" antwortet, und wenn er sich zu längeren Exkursen über die Ruhmestaten seiner Spieler durchringt, agiert er mit der Mimik eines Notars bei der Testamentseröffnung. Auch Kollege Sammer ist nicht für zotige Sprüche zu haben. Immer wieder kommt es vor, dass der 34-Jährige die Stirn in Falten zieht. Dann können sich seine Zuhörer darauf einstellen, dass Klartext gesprochen wird. Als Spieler "Motzki" genannt ist Sammer nun der Chefgrantler der Bundesligatrainer.

Sammer und Schaaf wissen genau, warum sie an ihrem Führungsstil mit einer an Sturheit grenzenden Beharrlichkeit festhalten. Beide haben während ihrer Profi-Laufbahn unter der Führung zweier absoluten Trainergrößen verinnerlicht, dass man nur mit zuverlässiger und ernsthafter Arbeit ans Ziel kommt. Sammer in Dortmund als unermüdlicher Antreiber unter Ottmar Hitzfeld, Schaaf in Bremen als stets zuverlässiger Defensivmann unter Otto Rehhagel.

Sammer verhält sich inzwischen so wie eine Mutter, die hinter ihren Zöglingen steht und deren Hausaufgaben mit Argusaugen überwacht. Und so präsentieren die Dortmunder trotz der Künstlergilde um den Tschechen Tomas Rosicky und der Brasilianer-Fraktion mit Amoroso, Ewerthon, Evanilsson und Dede seit Wochen ergebnisorientierten Fußball. Beim hart erkämpften 1:0-Sieg gegen den Hamburger SV sah Premiere-Reporter Marcel Reif vom filigranen Torjäger Amoroso im eigenen Strafraum einen Befreiungsschlag, für den er dem Südamerikaner am liebsten "die Grubenlampe ehrenhalber" verliehen hätte.

Im Gegensatz zum Tabellenführer aus Leverkusen, der dem Gegner fast schon aus Prinzip die Führung gönnt, um ihn dann nach allen Regeln der Kunst an die Wand zu spielen, wird in Dortmund derzeit solides Handwerk auf hohem Niveau präsentiert. Ebenso Bremen: Die Mannschaft präsentiert sich als Kollektiv. In Andreas Herzog wurde ein Star aufs Abstellgleis geschoben, der als Spielmacher der alten Schule gilt. Starke Szenen nach vorne und Defizite in der Defensivarbeit, das reicht nicht mehr für einen Stammplatz in Bremen. Dabei gibt Werders Trainer an, als Kind sei Günter Netzer sein Vorbild gewesen. Doch im Profigeschäft gibt es für den Mann keine Reminiszenzen, es regiert Pragmatismus. Die Vertreter der neuen Spielergeneration in Bremen heißen Torsten Frings und Krisztian Lisztes.

Gegen den BVB wird sich heute zeigen, welches Kollektiv das stabilere ist. Wie sehr auch die Dortmunder mittlerweile verinnerlicht haben, dass der Einzelne nichts und die Mannschaft alles ist, verdeutlicht das Beispiel Jürgen Kohler. Der 105-fache Nationalspieler hat sich zuletzt immer häufiger auf die Bank gesetzt, um seinen Nachfolger Christoph Metzelder die Arbeit in der Defensivabteilung verrichten zu lassen. Ohne Murren hat Kohler den Seitenwechsel bewältigt. Inzwischen gibt Dortmunds Fußballidol mit der Intellektuellen-Brille den Elder Statesman. Doch gegen Hamburg brach sich Metzelder das Nasenbein, weshalb Kohler heute für ihn wieder in die Startformation rückt. Dann wird er wieder das Feld beackern. Schnörkellos. So wie es Matthias Sammer am liebsten sieht.

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