• Spitzenspiel gegen VfL Wolfsburg: Darf’s ein bisschen mehr sein für Turbine Potsdam?

Spitzenspiel gegen VfL Wolfsburg : Darf’s ein bisschen mehr sein für Turbine Potsdam?

Mit einem Sieg gegen Wolfsburg kann Turbine im Rennen um die Meisterschaft wieder gleichziehen. Doch die Potsdamerinnen wollen davon nichts hören.

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Auf dem Weg nach oben. Für Inka Wesely (l.) und Turbine läuft es nach einer schwachen letzten Saison unter dem neuen Trainer deutlich besser.
Auf dem Weg nach oben. Für Inka Wesely (l.) und Turbine läuft es nach einer schwachen letzten Saison unter dem neuen Trainer...Foto: imago/Matthias Koch

Für Turbine Potsdam findet das Ligafinale in diesem Jahr vier Spieltage vor Saisonende statt. Wenn das Team von Matthias Rudolph am Sonntag den Spitzenreiter aus Wolfsburg im Karl-Liebknecht-Stadion empfängt (14 Uhr/live im RBB), geht es für die Potsdamerinnen darum, die Chancen auf die Meisterschaft zu erhalten. Mit drei Zählern Vorsprung steht der VfL Wolfsburg derzeit an der Tabellenspitze. Gelingt Turbine der Sieg, wären die Teams im Kampf um den Titel gleich auf.

„Wolfsburg ist der klare Favorit, aber wir werden alles daran setzen, zu gewinnen. Wenn wir einen guten Tag haben, können wir das schaffen“, sagt Turbines Trainer Matthias Rudolph. Der 34-Jährige zeigt sich vorsichtig optimistisch. Große Kampfansagen hört man von ihm aber nicht. Dass die Mannschaft kurz vor dem Saisonende überhaupt noch im Rennen um die Meisterschaft sei, mache ihn wahnsinnig stolz. „Wenn man sieht, woher wir aus der letzten Saison kommen, ist das nicht selbstverständlich.“

In der Tat gehörte Turbine nicht unbedingt zu den Titelfavoriten. In der vergangenen Saison landeten die Potsdamerinnen noch auf Platz sieben, jetzt ist der Traditionsverein wieder da. Die Mannschaft spielt auf Augenhöhe mit Bayern München und Wolfsburg – und das ohne finanzstarke Männerabteilung und mit geringerem Budget. Beide konnte Turbine in der Hinrunde schlagen. Auswärts. 14 Siege insgesamt, dazu zwei Remis und zwei Niederlagen stehen für Turbine in der Liga zu Buche.

Trainer Matthias Rudolph hat der Mannschaft frischen Wind eingehaucht

Großen Verdienst am Erfolg trägt der junge Trainer. Nach 45 Jahren unter Dauercoach Bernd Schröder hatte Matthias Rudolph die Mannschaft zu Beginn der Saison übernommen. Seitdem hat er frischen Wind und neue Spielzüge in Training und Spiel gebracht. Das Konzept? Weniger Kraft, mehr Taktik und Teamgeist. „Wir haben einen guten Zusammenhalt und Selbstvertrauen geschaffen“, sagt Rudolph. Mit dem Selbstvertrauen kamen mehr Siege, mit den Siegen wieder neues Selbstvertrauen.

„Potsdam hat sich in der letzten Saison unter Wert verkauft und hat nun zur gewohnten Form zurückgefunden. Sie sind als Kollektiv stark und gefährlich bei Standardsituationen“, sagt Ralf Kellermann. Der Trainer des VfL Wolfsburg geht von einem „emotionalen und kampfbetonten“ Spiel am Sonntag aus. Um sich durchzusetzen, müsse seine Mannschaft defensiv gut stehen und ihre individuelle Klasse im Spiel nach vorne zeigen.

Von einer Vorentscheidung der Meisterschaft wollen beide Seiten nicht sprechen. „Wir fahren als Tabellenführer nach Potsdam und reisen auch als Tabellenführer zurück nach Wolfsburg – unabhängig vom Ergebnis“, sagt Kellermann mit Blick auf die deutlich bessere Tordifferenz der Wolfsburger. „Es ist schön zu wissen, dass wir den Titelgewinn selbst in der Hand haben.“ Der Titel ist das klar formulierte Ziel der Wolfsburger.

So weit gehen sie bei Turbine nicht. „Wir schauen auf Sonntag. Nur das interessiert uns“, sagt Rudolph. Eine Philosophie, die der Trainer seit Amtsantritt verfolgt. Von Meisterschaftsträumen ist offiziell nicht die Rede, man arbeite stets auf den nächsten Sieg hin. Rudolph setzt auf viel Taktik und Willensstärke. Bisher hat das geklappt. Gegen Wolfsburg muss es perfektioniert werden. „Wir müssen auf den Punkt genau eine super Leistung bringen. Das was wir für den Sieg gegen Jena gebracht haben, reicht da nicht“, sagt Spielführerin Lia Wälti. Das man über den Titel nachdenke, sagt sie, sei selbstverständlich, ein Muss sei es jedoch nicht.

„Unser erklärtes Ziel ist es, eine gute Saison zu spielen“, sagt Rudolph. Das hat seine Mannschaft schon jetzt geschafft. Nun geht es darum, aus einer guten eine herausragende Spielzeit zu machen. Auch wenn es keiner so richtig ausspricht, noch darf Turbine von der Meisterschaft träumen. Denn anders als bei den Männern ist in der Bundesliga der Frauen noch alles offen.

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