Sport : Sponsor Staat

Moritz Schuller

über die seltsame Finanzierung der Fußball-WM 2006 Beckenbauer spricht mit Schily, Schily spricht mit Stolpe, Stolpe spricht mit Mehdorn. Ergebnis: Die Deutsche Bahn wird „Nationaler Förderer“ der WM 2006. Oder: Beckenbauer spricht mit Stoiber, Stoiber spricht mit den Ministerpräsidenten. Ergebnis: der staatliche Wettanbieter Oddset wird WM-Förderer.

Je näher die Fußball-Weltmeisterschaft rückt, desto unverhüllter präsentiert sich der Hauptsponsor der Großveranstaltung: der Staat. Zwei der sechs nationalen WM-Förderer sind staatliche Unternehmen, an anderen ist die öffentliche Hand zumindest beteiligt, in Berlin und Leipzig finanziert der Bund den Stadionbau mit und für das Kulturprogramm verzichtet der Finanzminister auf 30 Millionen Euro Gewinn, den die WM-Münzen einbringen.

Und so geht es weiter: Da derzeit die Gewinne bei Oddset einbrechen, Gewinne, die die Politik längst den WM-Organisatoren versprochen hatte, wollen die Ministerpräsidenten nun schlicht die Differenz ausgleichen. Diesmal aber nicht umsonst: Im Gegenzug soll der DFB Druck auf die Vereine ausüben, in Zukunft nur mit Oddset und nicht mehr mit privaten Wettanbietern zusammenzuarbeiten. Ein Gegengeschäft. Doch anders als etwa bei der Bahn müssen sich die privaten Vereine von niemandem etwas vorschreiben lassen. Vermutliches Ergebnis also: Wieder mehr Geld für die WM und weniger für den Staat.

Die Weltmeisterschaft, sagt Franz Beckenbauer, solle zu einem „unvergesslichen Erlebnis“ werden. Für den Steuerzahler wird sie das auf jeden Fall.

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