Sport : Sponsoren erwägen Tour-Ausstieg

Adidas und Skoda warten noch ab

Moritz Döbler

Berlin - Nach Bekanntwerden des Dopingfalls Patrik Sinkewitz und dem Ausstieg von ARD und ZDF aus der Liveberichterstattung von der Tour de France überdenken auch die Sponsoren ihr Engagement. Adidas – der Sportartikelhersteller unterstützt das Team von T-Mobile – erwägt sogar den Ausstieg aus dem gesamten Profiradsport. Eine Entscheidung solle bald fallen, möglicherweise noch vor Ende der Tour, sagte Unternehmenssprecher Jan Runau am Freitag.

Entscheidend ist offenbar die B-Probe von Sinkewitz, die noch nicht vorliegt. Adidas berate über das weitere Vorgehen nahezu täglich mit der Deutschen Telekom, sagte Runau. Betroffen von einem Ausstieg wäre aber auch der Bund Deutscher Radfahrer (BDR), dessen Fahrer bei Europa- und Weltmeisterschaften von dem fränkischen Sportartikelhersteller ausgerüstet werden.

„Wir haben eine klare Antidopingpolitik“, sagte Runau und verwies auf entsprechende Klauseln in allen Sponsorenverträgen. Davon habe Adidas in der Vergangenheit bereits mehrfach Gebrauch gemacht. Es gebe nur zwei Möglichkeiten: „Entweder man steigt sofort aus, oder man versucht einen wirklichen Neuanfang.“

Auch der Autohersteller Skoda („Motor des Radsports“) erwägt einen Rückzug. „Bei uns wird natürlich darüber nachgedacht, aber erst nach dem Ende der Tour. Wir wollen bedacht und überlegt vorgehen“, sagte Nikolaus Reichert, Sprecher von Skoda Deutschland, am Freitag. Das Unternehmen mit Sitz in Prag, das zum Volkswagen-Konzern gehört, ist offizieller Partner der Tour, die Deutschland-Tochter unterstützt das Team Gerolsteiner mit Fahrzeugen und wirbt auch damit. Beide Ebenen wollten nach dem Ende des Rennens beraten, ob das Engagement fortgesetzt werde, sagte Reichert. „Wir wollen aber auf jedem Fall im Breitensport bleiben.“ Das ergebe sich schon aus der Geschichte des Unternehmens, das vor 112 Jahren als Fahrradfabrik gegründet worden sei.

Reichert hob hervor, dass die Gerolsteiner-Fahrer offenbar unbelastet seien. „Wir würden uns mit Sicherheit sofort zurückziehen, wenn es dort so etwas wie bei Patrik Sinkewitz gäbe.“ Der Fall des T-Mobile-Fahrers zeige aber auch, dass die Kontrollen wirksamer geworden seien. „Es fängt an, etwas zu funktionieren.“ Am Unternehmenssitz in Tschechien hieß es, Skoda habe für den Zeitraum 2004 bis einschließlich 2007 eine Partnerschaft mit der Tour geschlossen.

Bei 12 der 21 Teams der Tour de France laufen im nächsten Jahr die Verträge mit den Hauptsponsoren aus, unter anderem beim Team Gerolsteiner. Sprecher Stefan Göbel bezifferte die Chancen auf eine Vertragsverlängerung auf „fifty-fifty“. Neun Millionen Euro investiert der Mineralwasserkonzern jedes Jahr in das nach ihm benannte Profiradsportteam.

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