Sponsoring unter Vorbehalt : Adidas fordert Reformen im Leichtathletik-Verband

Adidas macht Druck auf den Leichtathletikweltverband IAAF. Das Dax-Unternehmen fordert Reformen im Verband. Andernfalls könnte es sich aus dem Sponsoring zurückziehen.

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Adidas schaut den Verantwortlichen des Leichtathletikweltverbandes künftig genauer auf die Finger.
Adidas schaut den Verantwortlichen des Leichtathletikweltverbandes künftig genauer auf die Finger.Foto: dpa

Die Meldung machte Sinn: Dass sich ein großes deutsches Dax-Unternehmen von einem Sponsoring zurückzieht, das seinem Image nicht zuträglich ist und dessen Mehrwert obendrein schon lange umstritten war. Das Problem war nur: Die Meldung, dass der Sportartikelhersteller Adidas seinen Sponsorenvertrag beim Leichtathletik-Weltverband IAAF aufkündigen würde – sie stimmte nicht. Man wisse auch nicht, wie die britische BBC darauf gekommen sei, hieß es aus der Konzernzentrale. Der Bericht sei falsch, Adidas bleibe IAAF-Sponsor.

Der britische Sender hatte unter Berufung auf nicht näher genannte Kreise behauptet, dass Adidas sich wegen des Doping- und Korruptionsskandals in der Leichtathletik von der IAAF lösen wollte. Der Vertrag zwischen Adidas und der IAAF habe ein Volumen von umgerechnet 7,4 Millionen Euro jährlich, Adidas sei der größte IAAF-Sponsor.

IAAF befindet sich in wohl schwerster Krise

Vorerst also wird das Unternehmen das auch bleiben. Doch ist es nicht ausgeschlossen, dass sich dies bald ändern könnte. Der Mehrwert des Sponsorings in der Leichtathletik ist weit niedriger als im mindestens genauso korruptionsverseuchten Fußball. Es ist eine einfache Gleichung: Ist der Schaden größer als der Nutzen, wird reagiert. Im Falle von Adidas und der IAAF gestaltet sich der Vorgang im Moment derart, dass Adidas dem Verband die Daumenschrauben anlegt. Es soll aufgeräumt werden in der IAAF.

Die IAAF befindet sich in ihrer wohl schwersten Krise. Zuletzt war bekannt geworden, dass der langjährige IAAF-Präsident Lamine Diack gegen Geldzahlungen Dopingfälle vertuscht haben soll. Auch Diacks Nachfolger Sebastian Coe könnte von den Dopingfällen gewusst haben, bestreitet das aber. Coe hatte lange einen Beratervertrag mit Adidas-Hauptkonkurrent Nike und diese Zusammenarbeit erst kürzlich beendet, als die IAAF wegen der Vergabe der Leichtathletik-WM an Eugene unter Druck geraten war, dem Gründungsort von Nike.

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